Wenn der Vermögensaufbau in den Hintergrund rückt

Moneybuilding ist nicht alles.

Zugegeben, das klingt aus meinem Mund - oder besser gesagt, aus meiner Feder -  irgendwie komisch. Schließlich schreibe ich auf diesem Blog eigentlich über nichts anderes.

Moneybuilding ist voll mein Ding.

Und doch gibt es immer wieder Momente im Leben, in denen ich mir bewusst mache, dass es wichtigeres gibt. Oder es wird mir von jemand anderem bewusst gemacht.

Vor kurzem ist es wieder passiert.

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Ich bekam eine E-Mail von einer Hilfsorganisation, die ich regelmäßig unterstütze. Es ging um die Flutkatastrophe in Ostafrika, ausgelöst durch den Zyklon "Idai".

Ein Spendenaufruf. Schon mit 60€ können sie eine obdachlose Familie mit einem Katastrophen-Hilfspaket ausstatten. Und ich dachte mir: "60€. Das ist mein monatliches passives Einkommen dank Investitionen in P2P-Kredite."

Krass, oder?

Es geht uns besser als wir denken

Es sind diese Momente, in denen mir erneut bewusst wird, wie gut es uns doch in Deutschland geht.

Und wie schlecht es oft Menschen in anderen Teilen der Erde geht. Erst recht, wenn es zu einer solchen Naturkatastrophe kommt.

Meine Frau und ich haben bereits vor längerer Zeit erkannt, dass wir in der komfortablen Lage sind, diesen Menschen mit unseren Spenden helfen zu können. Und es tut uns nicht mal weh. 60 €.

Was ist das schon?

So manch einer wird es schwer nachvollziehen können, aber wir spenden nun schon seit ein paar Jahren 10% unseres Netto-Einkommens. Einen Teil davon per Dauerauftrag an Organisationen und Projekte, die wir gerne unterstützen wollen. Der Rest wird auf einem Tagesgeldkonto angespart, bis sich eine Gelegenheit ergibt, damit etwas Gutes zu tun.

So wie jetzt, in Ostafrika. Es fühlt sich gut an, nicht darüber nachdenken zu müssen, ob man es sich leisten kann zu spenden. Man hat immer etwas auf dem Spendenkonto liegen.

Ja, ich weiß, was jetzt viele sagen werden: "10% vom Einkommen ist ja völlig übertrieben!"

Es geht ihnen schlechter als wir oft denken

Weißt du was auch völlig übertrieben ist?

Und wenn ich mir dann noch ausrechnen lasse, dass ich zu den Top 1% weltweit gehöre, was mein Einkommen betrifft... bin ich sogar noch motivierter, mit meinem Geld Gutes zu tun.

Ja, auch jetzt schon, wo ich die finanzielle Freiheit noch nicht erreicht habe.

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass ich damit in Deutschland eher die Ausnahme bin. Und ich will hier auch niemandem ein schlechtes Gewissen machen, der weniger oder vielleicht sogar gar nichts spendet.

Denn ob und wie viel man von seinem Reichtum abgibt, muss jeder ganz persönlich entscheiden.

Meine Geschichte

Ich bin im Prinzip damit aufgewachsen, mit anderen zu teilen.

Meine Eltern haben meine Brüder und mich von klein auf dazu erzogen, großzügig zu sein. Und ich habe 5 Jahre meiner Kindheit in den USA gelebt, wo Großzügigkeit ein Teil der Kultur ist und Menschen in Not zu helfen eine Selbstverständlichkeit.

Und nicht zuletzt führt auch mein christlicher Glaube dazu, dass ich gerne etwas von meinem Reichtum abgebe.

Ich weiß, dass die Gefahr besteht, geizig zu werden. Gerade wenn man sich viel mit dem eigenen Vermögensaufbau beschäftigt und darauf hinarbeitet finanziell frei zu werden. Immer wieder bewusst Geld für andere Menschen auszugeben macht nicht nur nachweislich glücklich, es ist letztendlich auch ein Schutz davor, der nächste Dagobert Duck zu werden 😉

Moneybuilding um jeden Preis?

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass diese Freizügigkeit beim Spenden meinen Vermögensaufbau negativ beeinflusst.

Wenn ich diese 10% meines Nettoeinkommens anlegen würde, wäre ich wesentlich schneller am Ziel.

Aber was ist eigentlich das Ziel? Finanzielle Freiheit so bald wie möglich und um jeden Preis? Dafür dann möglichst wenig ausgeben, möglichst viel verdienen und alles andere muss sich diesem einen Ziel unterordnen?

Das mag für manche eine legitime Vorgehensweise sein. Ich würde mich dabei nicht wohlfühlen. Wenn mein Vermögensaufbau dadurch langsamer voranschreitet ist das für mich auch okay.

Ich möchte weiterhin mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld Gutes tun. Andere dagegen nehmen sich lieber die Zeit, packen selbst mit an und setzen sich für Menschen in Not ein. Ich bewundere solche Leute.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zum Beispiel.

Solange ich noch nicht den Mut habe, meine Komfortzone in Deutschland zu verlassen und es ihnen gleich zu tun (zumindest für einen bestimmten Zeitraum), lasse ich weiterhin mein Geld zum Einsatz kommen.

Meine Inspiration

Zu guter Letzt bin ich nicht nur von meinen Eltern, meinem Glauben oder meinen Erfahrungen in den USA zum großzügigen Spenden inspiriert worden.

Sondern auch von einigen der reichsten Menschen der Erde. Bereits im Jahr 2010 beschlossen Bill Gates, seine Frau Melinda und Warren Buffett ein neues Projekt ins Leben zu rufen.

The Giving Pledge.

Dabei verpflichten sich Milliardäre, den Großteil ihres Reichtums für philanthropische Zwecke zu spenden. Wie viel Prozent ihres Vermögens man abgibt, ist jedem einzelnen überlassen.

Das erklärte Ziel der Gründer: die Welt zu einem besseren Ort machen.

Ich finde das beeindruckend. Sie müssten das nicht tun. Es wäre ja schon vielen Menschen geholfen, wenn sie auch nur 10% spenden würden. Aber sie wollen mehr. Sie wollen so viel wie möglich helfen und zum Guten verändern.

Auch wenn ich keine Milliarden auf dem Konto habe, inspiriert mich das. Ich möchte auch einen kleinen Beitrag zu diesem großen Ziel leisten.

Fazit

Moneybuilding ist wichtig, aber nicht alles.

Naturkatastrophen und andere schreckliche Ereignisse erinnern mich immer wieder daran, dass es anderen Menschen viel schlechter geht als mir. Selbst wenn gerade kein Zyklon ihre ganze Lebensgrundlage zerstört hat.

Im Vergleich zur Mehrheit unserer Mitbürger weltweit geht es uns in Deutschland wirklich sehr gut. Ich fühle mich nicht zuletzt dadurch gedrängt, etwas von meinem Reichtum abzugeben, um diesen Menschen zu helfen.

Meine Frau und ich haben daher entschieden 10% unseres Nettoeinkommens für gute Zwecke zu spenden. Denn wir wollen nicht um jeden Preis reich werden. Es gibt letztendlich wichtigeres. Vor allem, weil uns diese Entscheidung nicht daran hindert, trotzdem Vermögen aufzubauen.

Das Moneybuilding geht also weiter. Aber es ist eben nicht alles.

Wie siehst du das? Spendest du selbst für gute Zwecke? Oder hast du eine komplett andere Sicht auf die Dinge? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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Ich freu mich, wenn du dabei bist!

9 Gedanken zu „Wenn der Vermögensaufbau in den Hintergrund rückt“

  1. Besser wäre sich an sozialen Projekten im näheren Umfeld zu engagieren. Das geht auch ohne Geld und macht NOCH glücklicher 😉
    Für alles andere zahle ich imho genügend Steuern.
    Wer es tun möchte und für Opfer von Naturkatastrophen spendet ist natürlich aller Ehren wert. Nur für mich ist das nichts. Ich habe gerne direkten Einfluss auf die Hilfe.

    1. Hi Bonanza,
      Das ist natürlich auch eine gute Idee. Und wenn man „mehr Zeit als Geld hat“, ist das auf jeden Fall eine super Sache. Bei mir ist es derzeit nur eher umgekehrt – ich hab wenig Zeit, aber dafür mehr Geld als ich zum Leben brauche 😉

      Viele Grüße,
      Carsten

  2. Ich habe mir vorgenommen, auf 1 % vom Nettoeinkommen zu kommen. Zusätzlich schmälert die Kirchensteuer mein Netto um ca. 3 % und das sehe ich auch schon als freiwillige Spende. Mit insgesamt also 4 % kann ich ruhigen Gewissens schlafen. 10% ist viel und wahrscheinlich habt ihr die Kirchensteuer dabei gar nicht mitberechnet. Manche schaffen es nicht einmal, so viel von ihrem Einkommen zu sparen. Schön, wenn das bei euch anders ist.
    Wer 20.000 € im Monat verdient (bei Lohnsteuer 6-7000) und davon nur den Pflichtteil abgeben will, den finde ich extrem gierig und geizig. Mal darüber nachdenken, dass von Steuern und Sozialabgaben wir alle in Deutschland profitieren, indem wir in einer schönen und sicheren Umgebung leben dürfen.

    1. Hi Zufallsleser,
      Schön, dass du auch regelmäßig spendest.
      Ja, ich finde auch, dass wir in Deutschland ja letztlich alle von den Steuer und Abgaben profitieren. Das machen sich viele anscheinend gar nicht bewusst.

      Viele Grüße,
      Carsten

  3. Wir zahlen einen erheblichen Batzen steuern jeden Monat. Das dürften knapp 6.000-7.000 Euro alleine an Lohnsteuer sein. Theoretisch sollte das einem guten Zweck dienen. Ebenso wie unsere Beiträge in die Sozialkassen.

    1. Hi und danke für deinen Kommentar. Zunächst mal Gratulation zu deinem hohen monatlichen Einkommen! 6 bis 7 tausend Euro Lohnsteuer zu zahlen ist tatsächlich ne ganze Menge.

      Und ich gebe dir Recht: in unserem deutschen Sozialstaat geben wir tatsächlich einiges von unserem Wohlstand in Form von Steuern und Abgaben für den guten Zweck ab. Für mich gibt es dennoch vor allem 2 Gründe, die mich dazu motivieren, noch mehr abzugeben…
      1) Selbst nach den ganzen Abgaben ist mein Nettoeinkommen immer noch um ein Vielfaches höher als das der meisten anderen Menschen weltweit.
      2) Freiwillig zu spenden ist noch mal was ganz Anderes als die verpflichtenden Steuern und Abgaben. Dieses freiwillige Teilen meines Wohlstands macht einfach glücklich(er). Das bestätigen Studien immer wieder. Und ich kann es auch bestätigen 😉

      Nichstdestotrotz hab ich Verständnis dafür, wenn jemand das anders sieht.

      Viele Grüße,
      Carsten

    2. Du hast den Artikel wohl nicht so ganz verstanden, schließlich ist unser Staat nicht für Hungersnöte und andere Katastrophen auf anderen Kontinenten verantwortlich, sondern nur für die hiesige Infrastruktur und die Sozialkassen haben eigentlich auch noch nie der kenianischen Mutter eine Rente gezahlt. Kopf einschalten, alles wird gut….

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