Diese 3 Risiko-Ebenen musst du bei P2P-Krediten beachten

Ich liebe Investitionen in P2P-Kredite.

Seit ich das erste Mal von dieser Form der Geldanlage gehört hatte (September 2017) war mir sehr schnell klar, dass dieses Thema ungemeines Potenzial besitzt und von mir näher analysiert werden musste. Der Trend der Digitalisierung und der Disruption ganzer Branchen führten in den letzten Jahren zu einem Aufkommen vieler Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen, die Innovationen und Transparenz vereinten.

Auch die Finanzbranche ist von diesem Wandel – zum Glück – nicht verschont geblieben. Egal ob beim Bezahlen, Geld anlegen, Finanzieren oder der Beratung – FinTech (financial technology) war das neue Modewort. Die Prozesse der Finanzdienstleistungen sind durch die Digitalisierung vereinfacht und automatisiert worden, sodass am Ende besonders die Endverbraucher durch die Kosteneinsparungen und den Effizienzgewinn profitieren konnten. Keine versteckten Gebühren mehr und Absprachen in dunklen Hinterzimmern, sondern Transparenz war das neue Mantra.

P2P-Anbieter auf dem Vormarsch

Im Bereich der Kreditvergabe besaßen Banken und Kreditinstitute für sehr lange Zeit eine Monopolstellung, die nun im letzten Jahrzehnt immer weiter, durch das Aufkommen von P2P-Anbietern, angegriffen wird.

P2P leitet sich dabei aus dem englischen peer-to-peer ab und bezeichnet die Kreditvergabe zwischen Privatpersonen.

Die P2P-Anbieter – auch als P2P-Plattformen bezeichnet – sind die Schnittstelle zwischen dem Kreditnehmer und dem Privatanleger. Die initiale Vorfinanzierung der Darlehen geschieht entweder durch die P2P-Plattform selbst oder durch die mit dem P2P-Marktplatz kooperierenden Kreditgeber, auch als Darlehensanbahner bezeichnet.

Privatanlegern wird durch die Kreditbeteiligung auf Plattformen wie Bondora*, Mintos* oder Estateguru*, häufig eine zweistellige Rendite in Aussicht gestellt. Doch da Rendite bekanntlich von Risiko kommt, sollten bei den meisten Investoren jetzt sicherlich alle Alarmglocken angehen.

Ist die Marge bei der Kreditvergabe so groß, dass sogar Privatanleger ein großes Stück vom Kuchen abbekommen können? Wo ist der berühmt berüchtigte Haken an der Sache?

Differenzierte Betrachtung von Risiken bei P2P-Krediten

Es gibt wohl kaum ein Thema, dass bei Privatanlegern so häufig, gerne und auch kontrovers diskutiert wird, wie die Risiken bei der alternativen Kreditvergabe zwischen Privatpersonen.

Aus meiner Sicht ist das auch absolut nachvollziehbar. Schließlich überweist man Geld an Unternehmen, die in Ländern ansässig sind, an deren Hauptstädte man sich maximal noch vom Erdkunde-Unterricht aus der dritten Klasse erinnern kann und wo man sich später mit seinem Kapital an den Konsumschulden von Kreditnehmern aus – bestenfalls – Entwicklungsländern beteiligt. So ganz seriös sieht das auf den ersten Blick natürlich nicht aus.

Die Debatte rund um die Risiken bei P2P-Krediten ist so alt, wie die Anlageklasse selbst. Das Schöne aus Sicht eines Anlegers ist, dass sich diese sehr breit gefächert und vielfältig diskutieren lassen, denn es gibt gleich eine ganze Reihe von Risiken, die man bei Investitionen in P2P-Kredite beachten sollte.

Keine Einlagensicherung

Eines der prominentesten Risiken und sicherlich auch jenes, mit dem sich die meisten Anleger beschäftigen, ist die fehlende Einlagensicherung des Kapitals. Ohne diese, kann die Insolvenz eines Anbieters theoretisch – trotz mehrerer eingebauter Schutzmechanismen – den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bedeuten.

Während in Deutschland die Sparkonten bei der Bank mit einer gesetzlichen Einlage von bis zu 100.000 Euro besichert sind und sich der Staat im Falle eines deutschen „Lehman Brothers“ um das betroffene Kapital der Anleger kümmert, besitzt die überwiegende Mehrheit der P2P-Plattformen im alternativen Kreditsegment keine Bankenlizenz. Hinzu kommt, dass sich die Online-Kreditvergabe zwischen Privatpersonen häufig in einer rechtlichen Grauzone befindet und es nur ungenügend rechtliche Rahmenbedingungen gibt, die dann wiederum durch eine Finanzaufsicht kontrolliert und beobachtet werden können. Fehlende Vorgaben führen in diesem Fall zu weniger Sicherheit und mehr Risiken auf der Seite der Anleger.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Risiken bei P2P-Krediten ist unausweichlich.

Leider habe ich den Eindruck, dass die meisten diesen Diskurs nur sehr oberflächlich führen wollen und sich die Reaktionen dann darauf reduzieren, dass man hauptsächlich breit über mehrere Anbieter diversifiziert (Plattformdiversifikation) und nicht mehr als fünf Prozent seines Kapitals in die Hochrisikoanlage P2P-Kredite investiert.

Beides kann man zwar machen und unter bestimmten Voraussetzungen ist das auch legitim, allerdings sehe ich darin häufig nur ein Schutzmechanismus, um sich nicht im Detail mit den Mechanismen und Funktionsweisen im Bereich Crowdlending zu befassen und zu versuchen einen Blick hinter die Kulissen der Anbieter zu werfen. Daher versuche ich beide Aspekte im Rahmen meines Blogs abzudecken und meinen Teil zur finanziellen Bildung beizutragen.

Meine Risikobewertung bei P2P-Krediten

Aus meiner Sicht als Privatanleger, der meistens versucht nach einem rationalen Muster vorzugehen, wollte ich zunächst sehr humorlos sämtliche Risiken auflisten, die mir im Zusammenhang mit P2P-Krediten eingefallen sind. Anschließend habe ich versucht, diese Risiken auf unterschiedlichen Ebenen einzuordnen und danach zu bewerten, wie groß mein persönlicher Einfluss als Privatanleger dabei ist und welche Schutzmaßnahmen ich proaktiv einsetzen kann.

Herausgekommen ist dabei folgende Übersicht:

Die Angaben auf dieser Grafik sind selbstverständlich ohne Gewähr auf Vollständig- und oder Richtigkeit. Für mich bildet es jedoch aktuell den Kosmos der Risikobewertung ab, auf den ich mich als Investor beziehen kann.

Kurz zur Erklärung:

1 – Mikrobene: Kreditrisiko

Das Ausfallrisiko eines Darlehens ist aus meiner Sicht die Keimzelle aller Risiken bei P2P-Investments. Dass Kredite ausfallen, gehört zu dieser Anlageklasse dazu, wie das Amen in der Kirche. Doch aus Sicht eines Investors kann man diesem Faktor mit einer ausreichenden Diversifikation über genügend Kreditprojekte begegnen und sich entsprechend absichern. „It’s a numbers game“, sage ich immer gern dazu.

Wer sich breit aufstellt, der kann nachts auch mit ein paar ausgefallenen Krediten gut schlafen.

Dennoch scheint mir, dass sich viele Anleger überproportional viele Sorgen über ausgefallene Kredite machen. Die Implementierung einer Rückkaufgarantie ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Anlegern die Angst vor Kreditausfällen nehmen wollte. Hierbei werden Darlehen, die sich eine bestimmte Zeit lang im Zahlungsverzug befunden haben, von den Kreditgebern zurückgekauft. Aber am Ende ist dieses Versprechen einer Garantie auch nur so viel wert, wie die Bonität desjenigen, der sie ausgibt.

2 – Mesoebene: Plattformrisiko

Beim Plattformrisiko steht der P2P-Anbieter an sich im Fokus und wie dieser aufgestellt ist. Der Track Record ist dabei eine der wichtigsten Variablen für mich. Sprich: Wie lange gibt es das Unternehmen schon am Markt (Marktreife) und wie konnte dieses in diesem Zeitraum performen? Dafür ist natürlich die Veröffentlichung von Geschäftszahlen und Jahresberichten eine zwingende Voraussetzung.

Weitere Fragen sind für mich in diesem Zusammenhang:

  • Wie profitabel ist das Unternehmen im aktuellen Moment?
  • Wie ist das Unternehmen finanziert?
  • Wie positioniert sich das Unternehmen und welche Marktdurchdringung konnte bereits erzielt werden?
  • Wie viel Potenzial und Wachstum ermöglicht das Geschäftsmodell?
  • Über welche Quellen monetarisiert sich das Unternehmen?
  • Wer sitzt im Management des Unternehmens und welche Visionen haben diese für die Zukunft?

Diese detailliertere Auseinandersetzung mit den Unternehmen kostet natürlich Zeit. Doch die Zuversicht meiner Analysen ist auch der Grund für mich, warum ich am Ende des Tages auch mit einem hohen Vermögensanteil in P2P-Kredite keine Kopfschmerzen habe. Außerdem erklärt sich hier auch, warum ich meinen Fokus nur auf wenige und dafür mir sicher erscheinende Anbieter lege.

Im Endeffekt also ein „Klasse-statt-Masse“-Ansatz und ein deutlich größerer Vermögensanteil in P2P-Kredite als die ominösen fünf Prozent. Das Kontrastprogramm vieler anderer P2P-Investoren.

3 – Makroebene: Marktrisiko

Den geringsten Einfluss besitzt man als Investor bei marktabhängigen Entwicklungen. Alles was man effektiv machen kann, ist sich zu informieren, Marktentwicklungen zu beobachten und versuchen diese richtig zu bewerten und einzuordnen.

Zwei Beispiele sind in diesen Zusammenhang das Aufkommen einer Wirtschaftsrezession, die sicherlich auch Auswirkungen auf Kreditnehmer und das Kreditgeschäft an sich haben wird, sowie marktregulierende Eingriffe bei der Gesetzgebung. Besonders Anbieter von kurzfristigen Konsumdarlehen (PayDay Loans) sind sehr häufig von gesetzlichen Anpassungen betroffen und neue Regeln für Zinssatzbeschränkungen können ein Geschäftsmodell schon mal gegen die Wand fahren lassen.

ÜBER den Autor:

Denny Neidhardt ist 29 Jahre jung und kommt aus Berlin. Auf seinem Blog re:think P2P-Kredite schreibt er über authentische Erfahrungsberichte und tiefgründiges Hintergrundwissen zu P2P-Krediten. Dafür analysiert er die Geschäftsmodelle einzelner P2P-Plattformen und hinterfragt Funktionsweisen und Mechanismen im Bereich Crowdlending.

Auch von Denny:

Geldanlage P2P-Kredite: Grundlagen - Risiken - Investitionsstrategien
  • Denny Neidhardt
  • Herausgeber: Denny Neidhardt
  • Taschenbuch: 185 Seiten

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