Warum deine Angst vor Aktien unbegründet ist

Warum deine Angst vor Aktien unbegründet ist.

Es ist schon irgendwie ernüchternd:

Deutschland ist die stärkste Volkswirtschaft Europas, doch beim durchschnittlichen Privatvermögen liegen wir nur im Mittelfeld. Spanier sparen so gut wie gar nichts von ihrem Erwerbseinkommen, erreichen aber eine jährliche Rendite von mehr als 5% auf ihre Geldanlage.

Unsere Sparquote liegt seit Jahren bei ca. 10% des Nettoeinkommens und damit doppelt so hoch wie die der US-Amerikaner. Trotzdem ist das Geldvermögen eines Amerikaners inzwischen dreimal größer als das des Durchschnitts-Deutschen.

Was machen wir bloß falsch?

Wir haben eine scheinbar unheilbare Angst vor Aktien. Nur jeder sechste besitzt sie bei uns. In anderen Ländern wie den USA, der Schweiz und in Skandinavien ist es häufig schon jeder Zweite.

Diese Scheu vor dem Schritt aufs Börsenparkett war jahrzehntelang kein Problem, da es aufs allseits beliebte Sparbuch immer durchschnittlich drei bis vier Prozent Zinsen gab. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Die hohe Verschuldung einzelner EU-Staaten hat die Europäische Zentralbank de facto dazu gezwungen, langfristig eine Niedrigzinspolitik zu verfolgen. In der Hoffnung, dass der Schuldenberg zumindest nicht dank des (negativen) Zinseszinseffekts noch größer wird.

Für uns Sparer bedeutet das: Lebensversicherungen, Tagesgeld oder eben das immer noch populäre Sparbuch reichen nicht mehr aus, um fürs Alter vorzusorgen oder nennenswertes Vermögen aufzubauen.

Unsere Angst vor Aktien führt dazu, dass andere europäische Länder eine höhere Rendite erreichen.
Beim Sparen Weltmeister, bei der Rendite nicht mal Europameister.

Wer ist Schuld?

Wieso fällt es uns dann immer noch so schwer, unser Erspartes gewinnbringend anzulegen? Oder mit anderen Worten:

Woher kommt bloß diese Angst vor Aktien?

Zum einen sind unsere Spitzenpolitiker daran nicht ganz unschuldig. Wer auf ganz normale Aktienkäufe eine Finanztransaktionssteuer einführen will und sein eigenes Geld lieber auf dem Sparbuch hortet, hält die Aktie wohl eher für ein Instrument für Zocker, nicht aber für eins, das bei der Altersvorsorge helfen kann.

Zum anderen beruht die deutsche Angst vor Aktien auf einigen falschen Annahmen über Wertpapiere und Börse. Anders als bei Gold führen diese Fehleinschätzungen aber nicht zum Aktienkauf, sondern zum genauen Gegenteil.

Das müsste nicht sein. Denn die folgenden, häufigen Argumente gegen eine Geldanlage an der Börse lassen sich alle entkräften.

Argument #1: In Aktien zu investieren ist aufgrund der hohen Gebühren sehr teuer.

Was früher tendenziell gestimmt hat, ist heute dank eines harten Preiskampfes unter den Online-Brokern nicht mehr der Fall. Fast an jeder virtuellen Ecke des Internets wird dir ein kostenloses Wertpapierdepot angeboten und auch die Transaktionskosten sind in den letzten Jahren immer weiter gesunken.

Egal ob ING, DKB* oder comdirect*. Nahezu jede Online-Bank hat inzwischen ein kostenloses Wertpapierdepot im Angebot, wenn du gleichzeitig auch ein Girokonto bei ihnen hast.

Für einen Wertpapiersparplan zahlst du dann pro Sparrate entweder eine niedrige prozentuale Gebühr (1,5% bei comdirect) oder eine Flatrate (1,5 € bei DKB).

Aber selbst wenn du nicht per Sparplan, sondern eher nach Lust und Laune Aktien kaufen willst, kostet dich das beim jungen Fintech Trade Republic* lediglich 1 Euro pro Transaktion.

In Aktien oder andere Wertpapiere zu investieren ist also wirklich nicht teuer. Das kann sich eigentlich jeder leisten.

Argument #2: Aktien schwanken sehr stark im Wert und eignen sich daher nur für Spekulanten und Zocker.

Dass Aktien mitunter sehr stark in ihrem Wert schwanken können (man spricht auch von hoher Volatilität) ist unbestritten. Oft reicht eine negative Meldung in der Presse über das betreffende Unternehmen aus, um den Aktienkurs innerhalb weniger Minuten abstürzen zu lassen.

Diese Schwankungsanfälligkeit schreckt nach wie vor viele Bürger unseres Landes davor ab, an der Börse als Anleger aktiv zu werden. Da kommt sie wieder zum Vorschein: die deutsche Angst vor Aktien.

Dabei ist diese Volatilität weniger schlimm als die meisten befürchten, wenn man sie richtig einzuordnen weiß und sie mit Hilfe der richtigen Strategie ein Stück weit „zähmen“ kann.

So soll der berühmte Börsenkenner André Kostolany einmal sinngemäß gesagt haben:

„Die Wirtschaft ist das Herrchen, die Börse der Hund. Manchmal läuft er hinterher, manchmal aufgeregt vorneweg. Trotzdem ist er stets an der Leine und kommt am Ende immer wieder zum Herrchen zurück.“

Für uns als Anleger bedeutet das: es bringt wenig, ständig die Aktienkurse zu beobachten. Wenn überhaupt, dann sollten wir die Wirtschaft beobachten. Und diese bewegt sich zwar auch auf und ab (Stichwort Konjunkturphasen), langfristig aber wächst sie.

Wer sich die täglichen oder wöchentlichen Schwankungen der Börse ansieht, dem kann leicht Angst und Bange werden. Wer jedoch „herauszoomt“ und sich den langfristigen Trend ansieht, wird schnell bemerken, dass man einfach nur einen langen Atem braucht, um erfolgreich an der Börse sein Geld anzulegen.

Langfristig geht es immer nach oben.
Die langfristige Trend des bekannten Dow-Jones-Index ist unschwer zu erkennen

Ein wichtiger Tipp für Börsen- und Geldanlageanfänger lautet daher:

Investiere mit einem langen Zeithorizont im Kopf.

Zehn bis fünfzehn Jahre sollten es schon mindestens sein. Wer solange dabei bleibt und der Versuchung widersteht, in unruhigen Zeiten seine Anteile zu verkaufen, der macht am Ende immer einen Gewinn.

Die zweite Möglichkeit, dem Problem der Volatilität zu begegnen, ist die Diversifikation (auch Risikostreuung genannt). Wer alles auf ein Pferd (sprich, auf ein Unternehmen) setzt, muss mit deutlich stärkeren Wertschwankungen seines Portfolios rechnen als jemand, der sein Geld auf viele verschiedene Unternehmen aufteilt.

Eine besonders hohe Diversifikation lässt sich am einfachsten mit einer Anlage in Aktien-ETFs erreichen. Anstatt Aktien jedes einzelnen DAX-Unternehmens (immerhin 30 an der Zahl) kaufen zu müssen, reicht die Investition in einen DAX-ETF und schon hast du dein Risiko auf 30 erfolgreiche deutsche Firmen verteilt.

Beim Kauf eines ETFs auf den weltweiten Aktien-Index MSCI World bist du sogar noch besser dran. Dein Risiko verteilt sich auf über 1.600 Unternehmen aus der ganzen Welt.

Also: Aktienkurse schwanken, das lässt sich nicht leugnen. Wenn du dich allerdings von kurzfristiger Spekulation auf steigende oder fallende Kurse fernhältst und stattdessen langfristig investierst, verlieren diese Schwankungen schnell an Bedeutung und fallen weniger stark ins Gewicht.

Und durch eine breite Streuung deines Risikos, z.B. durch den Kauf von Aktien-ETFs, kannst du die Volatilität deines Portfolios noch weiter eindämmen.

Argument #3: Aktien und andere Wertpapiere sind sehr komplex und nur für Börsenprofis zu verstehen.

Es gibt tatsächlich Wertpapiere, die sehr komplex, schwer zu verstehen und für Privatanleger daher eher ungeeignet sind. Derivate, Zertifikate und Optionen gehören sicherlich in diese Kategorie.

Aktien und Aktien-ETFs allerdings nicht.

Eine Aktie ist lediglich ein Anteilsschein an einem börsennotierten Unternehmen. Wer sich eine Aktie von Adidas kauft, besitzt demzufolge einen winzigen Teil der Adidas AG. Unternehmen geben Aktien an Anleger aus, um sich mit Kapital (also Geld) zu versorgen. Viele geben einen Teil ihres Gewinns dann in Form der sogenannten Dividende an die Anleger zurück.

Wenn es dem Unternehmen gut geht (bzw. die Anleger meinen, dass es ihm gut geht und weiterhin gut gehen wird), steigt der Wert desselben und somit auch der einer jeden Aktie. Wenn das Gegenteil der Fall ist, sinkt der Wert.

Als Aktionär hat man also die Möglichkeit doppelt zu profitieren: zum einen von gestiegenen Kursen und zum anderen von der regelmäßig ausgeschütteten Dividende.

Aktien-ETFs sind ebenfalls sehr leicht zu verstehen. Sie sind einfach eine Art Korb, in den jemand verschiedene Unternehmen gelegt hat. Anstatt auf einige wenige Unternehmen zu setzen, deren Aktien du dir kaufst, entscheidest du dich für eine breite Risikostreuung und nimmst gleich den ganzen Korb.

Natürlich gibt es noch einiges mehr über Aktien und Aktien-ETFs zu erfahren, aber das Grundprinzip hinter beiden Anlageformen ist sehr leicht und schnell zu verstehen.

Aktie = kleiner Teil eines Unternehmens. ETF = ein Korb voller Aktien verschiedener Unternehmen. Um das zu verstehen, muss man definitiv kein Börsenprofi sein.

Argument #4: Das Risiko viel Geld zu verlieren ist bei Aktien besonders hoch.

Eine der größten Sorgen deutscher Bürger scheint der mögliche Verlust ihres hart verdienten und fleißig angesparten Geldes zu sein.

Auf dem Sparbuch ist es wenigstens sicher, wird dann oft argumentiert. Das Risiko mit Aktien Geld zu verlieren sei ja viel zu hoch.

Stimmt das tatsächlich?

Zwei Gegenargumente lassen sich hier anführen. Zum einen wird ein langes Durchhaltevermögen an der Börse historisch gesehen immer mit einer positiven Rendite, also einem Gewinn, belohnt. Vor allem, wenn man sein Risiko breit streut und nicht alles auf eine Karte setzt. Das haben wir bereits weiter oben festgestellt.

Zum anderen ist vielen potentiellen Börsianern der Unterschied zwischen Buchverlusten und realisierten Verlusten nicht bewusst. Wenn der Kurs eines Unternehmens, deren Aktien ich gekauft habe, im Wert gesunken ist, habe ich zwar einen Buchverlust erlitten.

Geld habe ich zu diesem Zeitpunkt aber noch keins verloren.

Erst wenn ich mich dazu entschließe, meine Aktien zu verkaufen und den Verlust dadurch zu realisieren, habe ich de facto Geld verloren. Interessanterweise ist das den meisten nur bei Immobilien bewusst. Wer eine kauft, macht sich auch keine Gedanken darüber, ob sie in ein paar Monaten 1.000 Euro weniger wert ist als heute. Solange du keine Verkaufsabsichten hast, ist es für dich auch irrelevant.

Wir gehen bei Immobilien einfach davon aus, dass sie langfristig im Wert steigen werden (obwohl das nicht immer stimmt).

Wer also den Unterschied zwischen Buchverlusten und realisierten Verlusten verstanden hat und einen langen Anlagehorizont hat, braucht keine Angst davor haben, mit Aktien Geld zu verlieren. Erst recht nicht, wenn er in Aktien-ETFs investiert und sein Risiko dadurch breit streut.

Argument #5: Aktien sind nur etwas für Reiche, denn man braucht viel Geld, um an der Börse zu investieren.

Auch das ist ein Mythos zum Thema Aktien, der sich hartnäckig hält. Dabei war es noch nie einfacher und vor allem günstiger, an der Börse zu investieren.

Die niedrigen Gebühren haben wir bereits erwähnt. Aber auch die Mindestsumme, die man braucht, um mit dem Investieren loszulegen ist viel niedriger als die meisten vermuten.

25 Euro.

Wenn du dir einen Wertpapiersparplan einrichtest, kannst du z.B. bei comdirect* bereits ab einer monatlichen Sparsumme von nur 25 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF investieren. 25 Euro im Monat. Es gibt wenige Menschen in Deutschland, die sich das nicht leisten können.

Natürlich sind solche kleinen monatlichen Summen nur dann sinnvoll, wenn die entsprechenden Gebühren auch niedrig genug sind. Wer für eine Sparrate von 25 Euro eine Gebühr von 1 € zahlt, sollte sich nach einem anderen Wertpapierdepot-Anbieter umschauen.

Gerade bei diesen geringen Summen ist daher das Angebot der comdirect wirklich fair, da es prozentual berechnet wird (1,5%). Die Depots, bei denen eine Flatrate zu zahlen ist, lohnen sich folglich erst dann, wenn die entsprechende Sparsumme hoch genug ist.

Als Vergleich: Solange die Sparrate weniger als 100 Euro beträgt, fährt man mit der comdirect (Gebühr: 1,5%) günstiger. Sobald man mehr als 100 Euro im Monat investiert, wird es bei der DKB* (Gebühr: 1,5 €) günstiger. Und wenn du Glück hast, lässt sich „dein“ Aktien-ETF sogar kostenlos besparen.

Aktien und Aktien-ETFs sind keinesfalls nur etwas für reiche Menschen. Ab 25 Euro im Monat kannst auch du vom Wachstum der globalen Wirtschaft profitieren und Börsen-Investor werden.

Argument #6: Ich brauche keine Aktien, denn mit meinen Zinsprodukten erhalte ich schon ein paar Prozent jährliche Rendite.

Dieser Artikel wäre nicht vollständig, wenn ich zum Schluss nicht noch auf einen der größten Irrglauben vieler deutscher Sparer eingehen würde.

Umfragen zeigen immer wieder, dass bei einigen Sparbuch- und Tagesgeldliebhabern eine völlig unrealistische Vorstellung herrscht, was die zu erwartende Rendite betrifft.

Denn mit den gängigen Zinsprodukten wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch lässt sich der Kaufkraftverlust dank Inflation leider nicht erfolgreich bekämpfen. Beim beliebten Portal für Tages- und Festgeld Weltsparen liegt der höchste Zinssatz für Tagesgeld derzeit (Stand Dezember 2019) bei 0,65%, für Festgeld bei 1,1%.

Tagesgeldzinsen liegend deutlich unter der Inflationsrate
Bereits seit einigen Jahren liegt die Inflationsrate deutlich über dem durchschnittlichen Tagesgeldzinssatz

Weder noch reicht aus, um die durchschnittliche Inflationsrate von derzeit ca 1,6% zu übertreffen und damit den Kaufkraftverlust zu verhindern.

Früher mag es ausreichend gewesen sein, das Ersparte aufs Sparbuch zu legen oder einen Bausparvertrag abzuschließen. Doch diese goldenen Zins-Zeiten sind längst vorbei. Es muss ein Umdenken stattfinden. Gerade hier bei uns in Deutschland, wo die Angst vor Aktien immer noch viele daran hindert, Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen.

Fazit

Zur Zeit wächst das Vermögen der Deutschen nur aufgrund ihres Sparfleißes. Bei fast allen anderen europäischen Ländern jedoch zusätzlich noch (bzw. hauptsächlich) aufgrund von Wertzuwachs.

Die Angst vor Aktien ist ein typisch deutsches Phänomen.

Einer der Hauptgründe für dieses Phänomen ist die deutsche Angst vor Aktien. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, die Argumente, die angeblich gegen ein Investment an der Börse sprechen, aber zumeist leicht widerlegbar.

Gerade Aktien-ETFs sind nicht nur leicht für Privatanleger zu verstehen, sie sind auch kostengünstig und können bereits ab 25 € im Monat (per Sparplan) gekauft werden.

Wer mit einem langen Zeithorizont von mindestens 15 Jahren an die Sache herangeht und bereit ist, Schwankungen und Wirtschaftskrisen einfach auszusitzen, braucht auch keine Angst davor haben, sein Geld zu verlieren.

Bereits 2018 hat Harald Freiberger von der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel über Aktienbesitz in Deutschland folgendes festgestellt:

„Reiche investieren mehr in Aktien, und da Aktien langfristig besser rentieren als Zinsprodukte, werden die Reichen noch vermögender.“

Zumindest in dieser Hinsicht würde es uns gut tun, das Verhalten der Reichen nachzuahmen. Ganz ohne Angst.

Wie siehst du das? Was hält dich noch davon ab, in Aktien oder Aktien-ETFs zu investieren? Schreib es mir in die Kommentare!

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