Was kosten dich deine Konsumgewohnheiten wirklich?

Die meisten Leute scheitern beim Moneybuilding nicht aufgrund der anhaltenden Nullzinsphase.

Es liegt auch nicht am fehlenden Wissen über P2P-Kredite oder dem Investieren an der Börse.

Im Prinzip hat es nämlich gar nichts mit Geldanlage zu tun. Es ist schlicht und ergreifend die Tatsache, dass Menschen zu viel Geld ausgeben.

Sie missachten die finanzielle Grundregel #1:

Gib weniger Geld aus als du einnimmst.

Es klingt so logisch. So einfach. Und doch scheitern jeden Monat Millionen von Menschen an dieser einfachen Aufgabe.

Sie geben Geld aus, das sie nicht haben. Dafür nehmen sie Schulden in Kauf. Finanzierung, nennt man das heute. Oder Ratenzahlung.

Klingt ja auch viel besser als „Schulden machen“.

Aber im Prinzip ist das Selbe. Buy now, pay later, nennen das die Amerikaner. Die sind ja sowieso die Spezialisten im Schulden machen. Aber wir Deutschen werden da leider auch immer „besser“ drin.

Was einem dabei allerdings oft nicht bewusst ist:

Deine Konsumgewohnheiten kosten dich viel mehr als du denkst.

Denn Geld, das du einmal ausgegeben hast, kannst du weder sparen noch investieren. Es ist für immer weg.

Du verzichtest somit auf Rendite. Diese Rendite sind deine Opportunitätskosten.

Um sich das vor Augen zu führen, hilft es, wenn man einfach mal ein konkretes Beispiel nimmt und das Ganze durchrechnet.

Und genau das wollen wir jetzt tun.

Wir nehmen an, du willst dir ein neues Handy kaufen. Das iPhone X für 1.149 €

Eine absolut unnötige Ausgabe, denn deine Lebensqualität wird mit Sicherheit nicht dauerhaft höher sein, weil du statt deines gebrauchten iPhone 7, das immer noch funktioniert und lediglich ein paar Gebrauchsspuren aufweist, dir dieses Modell leistest.

Aber ok, wir gehen mal davon aus, dass du wenigstens halbwegs vernünftig warst und das Geld vorher angespart hast, sodass du keine Ratenzahlung machen musst. Für mich persönlich ist das trotzdem noch zu viel Geld für ein Smartphone, aber nehmen wir mal an, du findest diesen Preis gerechtfertigt.

Was dir nicht bewusst ist – das iPhone kostet dich gar nicht 1.149 €.

Es kostet dich viel mehr.

Es kostet dich das, was du stattdessen mit, beziehungsweise aus diesem Geld hättest machen können.

Warum denn nicht so?

Du könntest das Geld zum Beispiel über ein Wertpapierdepot kostengünstig in ETFs anlegen. Das kostet dich beim comdirect Depot* 9,90 € (das minimale Entgelt beim Wertpapierhandel).

Du hast jetzt also 1.139 € in einem ETF (z.B. auf den MSCI World) stecken, der dir im Durchschnitt, bei einem langfristigen Anlagehorizont, pro Jahr eine Rendite von 5% bringt (wenn’s gut läuft, sogar mehr).

Dank des Zinseszinseffekts hättest du dann nach 10 Jahren 1.855 €, nach 20 Jahren 3.022 € und nach 30 Jahren sogar 4.923 €

Vielleicht sagst du jetzt: Gut, in 30 Jahren knapp 5.000 Euro weniger zu haben ist jetzt nicht so tragisch. Das mag sein, aber stell dir vor du tätigst alle paar Monate (oder noch häufiger) solche Einkäufe, die nicht wirklich notwendig wären.

Auf einmal sind es fünf oder zehntausend Euro im Jahr, die du hättest sparen und investieren können.

Aus 5.000 € wären nach 30 Jahren mehr als 22.000 € geworden, aus 10.000 € mehr als 44.000 €. Das kann dann schon einen deutlichen Unterschied in deiner Lebensqualität machen.

 

Oder du bist etwas risikofreudiger und hättest das Geld sogar in P2P-Kredite gesteckt, z.B. bei Mintos oder EstateGuru.

Deine jährliche Rendite dort: 10%

In diesem Fall wären allein aus dem Betrag für das neue Handy (1.149 €) nach 10 Jahren 3.110 €, nach 20 Jahren 8.420 € und nach 30 Jahren 22.793 € geworden!

Ist dir ein neues iPhone X wirklich so viel wert?

 

Aber vielleicht machst du dir gar nichts aus teuren Smartphones. In deinem Fall sind es die schicken Klamotten. Oder der Neuwagen auf Pump. Oder irgendetwas anderes. Setze an die Stelle des iPhones einfach das Konsumgut, das für dich eine Versuchung darstellt.

Und jetzt überlege dir: Wie viel kostet es? Und wie viel kostet es dich wirklich?

Ist es dir das wert?

Vor allem, wenn du bedenkst, dass es deine Lebensqualität und dein Zufriedenheitsgefühl eh nicht dauerhaft anheben wird. Stattdessen solltest du lieber klug dein Geld ausgeben, sodass es dich tatsächlich glücklich macht.

Alles hat seinen Preis

Das klingt dir zu hart?

Vielleicht sogar knausrig?

Klar, du kannst an deinem jetzigen Lebensstil, inklusive deiner ausschweifenden Konsumgewohnheiten festhalten. Aber dann sollte dir auch bewusst sein, dass es mit dem Moneybuilding schwer wird.

Nein, ich geh sogar so weit zu sagen, dass du gar kein Vermögen aufbauen wirst.

Was das dann für deinen Lebensstandard in der Rente bedeutet, müsste offensichtlich sein. Der wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger sein als momentan.

Im Leben hat eben alles seinen Preis.

Jede Entscheidung, die du heute triffst, hat Auswirkungen auf dein Leben nächstes Jahr, in 10 Jahren, in 20 Jahren.

Hedonismus heute = Altersarmut später. Diese Gleichung wird für viele Realität werden. Daran hab ich keine Zweifel.

Weil viele meinen, sie müssten ja verzichten, wenn sie ihre Konsumgewohnheiten ändern. Verzichten, das klingt nach Verlust, nach Schmerz.

Dabei geht es nicht darum, auf schöne und wertvolle Dinge zu verzichten, die deine Lebensqualität erhöhen und dich dadurch dauerhaft glücklicher machen.

Das Ziel sollte sein, bewusster einkaufen zu gehen. Seine Konsumgewohnheiten regelmäßig zu überdenken und in Frage zu stellen. Selbst ein Gespür dafür zu entwickeln, was wirklich glücklich macht.

Eins kann ich dir schon jetzt verraten: das neueste iPhone Modell gehört nicht dazu.

In der Regel sind es eher Beziehungen zu anderen Menschen, viel Bewegung, eine gesunde Ernährung und ein klares Ziel im Leben.

Eben Dinge, die man sich nicht kaufen kann.

Fazit

Alles und jeder in unserer modernen Gesellschaft scheint uns die immer gleiche Geschichte erzählen zu wollen:

Kaufe das und du wirst glücklich.

Und mich brauchst du natürlich auch noch, um dich wirklich besser zu fühlen, flüstert anschließend das Auto vom Nachbarn.

Im Fernsehen und vor allem in der Werbung wird uns dieses Märchen immer und immer wieder aufgetischt. Und wir fallen immer wieder drauf rein.

Aber das muss nicht sein.

Sei anders. Konsumiere bewusst. Schwimme gegen den Strom.

Am Ende wirst du dich damit nicht nur besser und glücklicher fühlen. Dein Kontostand wird dir vermutlich auch immer besser gefallen. Optimalerweise nicht der deines Girokontos, sondern der deines Wertpapierdepots.

Vielleicht kannst du dann sogar von den Dividenden (oder von den Zinsen) leben.

Keine ganz schlechte Vorstellung, oder?

___________

Wie sieht’s bei dir aus? Bist du zufrieden mit deinen Konsumgewohnheiten? Oder kaufst du noch zu oft „ein iPhone X“?

11 Replies to “Was kosten dich deine Konsumgewohnheiten wirklich?”

  1. Hi Carsten,
    1200 Euro würde ich für ein Smartphone auch nicht ausgeben, wobei es das „wert“ sein kann. Ein Smartphone ist Kamera, Organizer, Mp3-Player, Fahrkarte etc in einem Gerät. Ich kaufe mir nur deswegen ein billigeres, weil es auch für 200 Euro sehr gute Smartphones gibt und ich mich nicht so ärgern würde, wenn es kaputt geht. Sehe oft Iphones mit kaputtem Display, mit meinen Handys ist das noch nie passiert.
    Ansonsten darf man sich auf den Zinseszins nicht zu sehr versteifen. Sofern man trotzdem genug spart, muss man nicht jeden Cent umdrehen.

    1. Hallo Ex-Studentin,
      Ja, letztendlich ist der Kauf eines Smartphones eine sehr persönliche Sache. Ich glaube eben, dass es nicht immer das teuerste Modell sein muss… dieses Prinzip gilt aber natürlich auch für andere Produkte (Auto, Computer, …). Jeden Cent umdrehen würde ich auch nicht empfehlen, bewusster konsumieren aber schon… Viele Grüße, Carsten

  2. Als Apple Aktionär freut es mich wenn das aktuelle Model einen starken Kaufreiz auslöst. Wie soll denn die Wirtschaft prosperieren, wenn jeder sich beim Konsum stark zurückhalten würde?
    Stimmt schon, es braucht nicht immer das neueste und beste zu sein, aber bei Waren/Dienstleistungen die einem wichtig sind kann man schon mal zuschlagen.
    Ein iPhone Klon den ich mir auf einer Dienstreise nach Asien gekauft habe, war nach nicht mal 1 Jahr kaputt. Keine Softwareunterstützung incl Sicherheitsupdates für Android gab es in der Zwischenzeit auch nicht. Habe mir deshalb ein neues Vorjahresmodel (Apple) gekauft und plane eine Nutzungsdauer von 3 Jahren.

    1. Hallo Bonanza,

      Danke für deinen Kommentar. Ich denke es wird immer genügend Menschen geben, die genug konsumieren, um die Wirtschaft am Laufen zu halten (bzw. sogar prosperieren). Ich sag ja auch nicht, dass man asketisch leben sollte und sich nichts schönes mehr gönnt.

      Nur, dass man eben seine Konsumgewohnheiten überdenken sollte und sich bewusst macht, was man dadurch möglicherweise aufgibt (ein größeres Vermögen in der Zukunft).
      Das iPhone X war nur ein Beispiel, ich hätte auch etwas anderes nehmen können. Ich mache es ähnlich wie du jetzt: hab mir ein älteres Modell des iPhones gekauft (generalüberholt) und plane das ein paar Jahre zu nutzen. So mach ich das schon seit einiger Zeit und bin sehr zufrieden.
      Viele Grüße,
      Carsten

  3. Also ich konsumiere bewusst, gönne mir aber dennoch im Schnitt alle drei Jahre das neue iPhone. Und ich finde es auch nicht teuer.

    Angenommen es kostet 1200 Euro. Bei einer Nutzung von 36 Monaten, sind dies 33 Euro pro Monat bzw. 1 Euro pro Tag. Bei einem Wiederverkaufswert von 500 Euro sind wie sogar im Cent-Bereich.

    Für einen Gegenstand, den man dutzende Male pro Tag für unterschiedlichste Zwecke nutzt, ist das nicht viel Geld.

    Was mich am Artikel stört, ist die Best-Case-Betrachtung. Nur wer heute spart, hat in Zukunft nicht automatisch mehr oder viel mehr Geld als heute. Niemand weiß was die Zukunft bringt.

    Weiterhin halte ich die lemminghafte Empfehlung sein Geld in ETF zu investieren als risikant. Hier ein aufklärender Artikel aus dem Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/blackrock-ein-geldkonzern-auf-dem-weg-zur-globalen-vorherrschaft/21246966.html

    Ich möchte anmerken, dass auch mein investiertes Kapital mehrheitlich in ETF steckt, dennoch stufe ich diese mittlerweile als systemisches Risiko ein und würde gesetzliche Regularien, die die weitere Verbreitung von ETF begrenzen soll, als wahrscheinlich betrachten.

    Seitens der EU gibt es bereits Überlegungen, den Handel mit ETF (zum Schutz der Anleger natürlich) in Krisenzeiten aussetzen zu können. https://finanzmarktwelt.de/bei-einem-boersencrash-eu-behoerden-planen-entmuendigung-der-fondsanleger-83326/

  4. Hallo Carsten,
    sehr guter Artikel. Gefällt mir sehr gut. Ich bevorzuge es auch ETF´s zu kaufen. Manchmal bin ich aber auch etwas spekulativer unterwegs. Wenn es dann tatsächlich das neue iphone X sein muss, so wie bei crowdbird, am besten Aktien im Wert des iphoes kaufen und gleichzeitig das iphone kaufen. 🙂
    https://www.110prozent.club/
    Liebe Grüße
    Henning

  5. Nicht umsonst gibt es den Spruch: „Sparsamkeit ist eine Einnahmequelle.“

    Jeder Euro, den ich heute ausgebe, wird nie die Gelegenheit haben hart für mich zu arbeiten. =)

  6. Mit einem iPhone kann man gutes Geld ausgeben. Allerdings gibt es auch hin und wieder interessante LTE Vertrage, über die man deutlich billiger an die Geräte kommt.
    Zudem halten iPhones ihren Wert gegenüber Androids.
    Wer sein Smartphone täglich duzende Male in der Hand hält und quasi „alles“ damit macht, kann dafür auch Geld ausgeben.

    1. Hallo Crowdbird,
      Danke für deinen Kommentar. Klar gibt es Alternativen, um billiger an die Geräte ranzukommen.
      Und ich bin ja nicht grundsätzlich gegen den Kauf eines Smartphones oder iPhones, ich besitze selbst eines. Ich stelle mir nur die Frage, ob es unbedingt das neueste und teuerste Modell sein muss, wenn man z.B. mit einem iPhone 6 oder 7, das man gebraucht kauft, genauso glücklich sein kann.
      Viele Grüße,
      Carsten

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