Nachhaltige Geldanlage: Lohnt sich das überhaupt?

Nachhaltige Geldanlage - lohnt sich das?

Ein Thema, das seit einigen Jahren immer öfter in den Medien auftaucht, ist die Nachhaltigkeit.

Egal, ob im Bereich Ernährung (Stichwort: Veganismus und Co.) oder beim Einkaufen von Markenkleidung – viele Menschen fragen sich, ob das denn alles eigentlich auch nachhaltig ist.

Natürlich macht dieser „Trend“ auch vor der Geldanlage nicht Halt.
Aber was genau bedeutet nachhaltige Geldanlage?

Und lohnt sich das überhaupt?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hab ich mir prominente Unterstützung geholt. Der Finanzbuch-Autor und Blogger Christopher Klein (www.geldsystem-verstehen.de) hat vor kurzem ein Buch zu genau diesem Thema geschrieben.*

Ich hab die Gelegenheit ergriffen und ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Carsten: Hi Christopher! Nachhaltigkeit ist heutzutage ja fast schon ein Modewort. Wie würdest du Nachhaltigkeit definieren?

Christopher: Ja, ich finde auch, dass es mittlerweile so häufig verwendet wird, dass sich kaum noch jemand konkret etwas darunter vorstellen kann. Daher habe ich es im Untertitel meines Buches entsprechend mit den Zusätzen „ökologisch und ethisch-sozial“ spezifiziert.

Für mich bezieht sich Nachhaltigkeit insbesondere auf drei Sektoren:

  • Ökonomische Nachhaltigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Soziale Nachhaltigkeit

Alle drei Aspekte sind eng miteinander verwoben und ergeben in der Kombination den allgemeineren Begriff Nachhaltigkeit.

Insofern würde ich Nachhaltigkeit definieren als „Handlungen, die positive ökologische und ethisch-soziale Ziele verfolgen, diese aber auch in einen ökonomischen Zusammenhang setzen“.

Carsten: Dein Buch trägt den Titel “Ökoethinvesting”.* Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Christopher: Ökoethinvesting ist eine eigene Wortkreation. Damit bezeichne ich eine noch relativ neue Anlagestrategie, die nicht nur auf finanzielle Rendite ausgerichtet ist, sondern auch die ökologische und soziale Rendite zu maximieren versucht.

Ökoethinvestoren bewerten ihre Investitionen also nicht nur anhand finanzieller Rendite, Liquidität und Sicherheit, sondern für sie spielt auch der Faktor „Nachhaltigkeit“ – gemäß obiger Definition – eine wichtige Rolle bei ihren Investitionsentscheidungen.

Carsten: Im Buch schreibst du: “Darüber hinaus gibt es bisher keine einheitliche Definition für das qualitative Kriterium Nachhaltigkeit”. Das führt dann unter anderem dazu, dass in sogenannten “nachhaltigen” ETFs, wie z.B. dem Dow Jones Sustainability World Index, sich auch Unternehmen wie British American Tobacco und der Rüstungskonzern Lockheed Martin finden. Wie soll man also am besten mit dieser Kennzeichnung (nachhaltig) umgehen?

Christopher: Ja, hier muss insbesondere der ETF-Markt in meinen Augen noch erheblich nachbessern. Schließlich möchten wir uns als Ökoethinvestoren auf Kennzeichungen verlassen. Dies ist derzeit aber noch sehr schwammig, wie Dein Beispiel zeigt.

Genau deshalb ist es wichtig, sich nicht nur mit den verschiedenen Screening-Methoden auseinanderzusetzen (in diesem Fall wurde nach dem „positiv Screening“ anhand von etwa 100 Datenpunkten evaluiert), sondern anschließend auch das Factsheet des vermeintlich nachhaltigen ETF (SRI/ESG) zu studieren. Dort wird schließlich spezifiziert, welche Unternehmen im ETF vertreten sind.

Mir persönlich sind deshalb ETFs sympathisch, die zunächst nach Ausschlusskriterien (negativ Screening) evaluieren und anschließend ein positiv Screening anwenden.

Portrait von Christopher Klein
Christopher Klein
Carsten: Ist es nicht viel sinnvoller, schlechte Unternehmen einfach zu boykottieren (also ihre Produkte/Dienstleistungen nicht zu kaufen), als nicht in sie zu investieren? Tut ihnen das nicht deutlich mehr weh?

Christopher: Selbstverständlich nehmen wir mit unserem Konsum ebenfalls erheblichen Einfluss auf Unternehmen. Man blicke nur in den Supermarkt und schaue sich den Bio-Hype an! Ich finde es deshalb auch mindestens genauso wichtig, sich auch mit den eigenen Konsumgewohnheiten auseinanderzusetzen.

Häufig ist es aber leider auch hier schwer, gewisse Unternehmen zu boykottieren, weil wir durch globale Lieferketten gar nicht mehr nachvollziehen können, welche Unternehmen überhaupt an der Wertschöpfung beteiligt waren. Daher finde ich es wichtig, sowohl das persönliche Konsumverhalten, als auch das persönliche Investitionsverhalten mal näher unter die Lupe zu nehmen und nach etwaigen „Bösewichten“ zu durchsuchen – und anschließend entsprechend zu anzupassen.

Carsten: Als Investoren interessiert uns natürlich auch die Rendite: da müssen wir uns doch bestimmt mit weniger zufrieden geben, wenn wir nachhaltige Geldanlage betreiben, oder?

Christopher: Der Meinung war ich – bevor ich mich tiefer in die Materie eingearbeitet habe – vor über einem Jahr auch noch.

Im Laufe des Rechercheprozesses konnte ich aber nicht nur in etlichen Studien lesen, sondern auch in eigenen empirischen Analysen herausfinden, dass zwangsläufiger Renditeverzicht bei nachhaltigen Geldanlagen ein Mythos ist.

Häufig ist es zwar richtig, dass die finanzielle Rendite sukzessive kleiner wird, je strikter und enger man Nachhaltigkeit definiert, nicht selten lassen sich aber auch mit strikt nachhaltigen Finanzprodukten – insbesondere im Rahmen eines langen Anlagehorizonts – beeindruckende finanzielle Renditen erzielen.

Carsten: Du gibst im Buch einen guten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, nachhaltig zu investieren. Womit sollte ein Geldanlage-Anfänger deiner Meinung nach beginnen und warum?

Christopher: Das ist so pauschal nicht zu beantworten. Schließlich hängt das erheblich von den eigenen Präferenzen ab.

Daher habe ich im Buch 6 Musterportfolios vorgestellt, die Portfoliobeispiele verschiedener Investorentypen in Abhängigkeit von Alter und Nachhaltigkeitstendenz aufzeigen.

Generell aber sind ETFs gerade für Anfänger eine gute Anlaufstelle, da sie niedrige Kosten mit hoher Automatisierbarkeit (durch Sparpläne) und breiter Diversifikation vereinen. Es gilt aber, bei Screening Methode und Factsheet immer genau hinschauen!

Carsten: Vielen Dank für das Interview!

Wenn du dich noch intensiver mit dem Thema „nachhaltige Geldanlage“ auseinandersetzen möchtest, dann ist das Buch von Christopher auf jeden Fall eine gute Anlaufstelle.

Nachhaltige Geldanlage bei mir?

Eigentlich erfüllt die nachhaltige Geldanlage so wie Christopher sie in seinem Buch beschreibt alle Kriterien für ein intelligentes Investieren – also genau das, woran ich interessiert bin.

Und trotzdem bin ich nach wie vor etwas unschlüssig, ob ich in die nachhaltige Geldanlage einsteigen soll oder nicht.

Wenn, dann würde ich es gerne per ETFs tun, aber da sehe ich – genau wie Christopher – eben noch einiges an Nachholbedarf.

Ich warte also erst mal ab. Und werde die Entwicklungen in diesem Bereich weiterhin aufmerksam verfolgen.


Wie sieht’s bei dir aus? Würdest du nachhaltig investieren? Oder hast du es vielleicht schon getan? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

 

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