Warum sparen? 5 Gründe für die deutsche Tugend

Warum sparen?

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Warum sparen? Geld ist dafür da, ausgegeben zu werden, sagen viele.

  • Warum sollte ich auf das neue iPhone verzichten, wenn ich es mir leisten kann?
  • Und die Handtasche, die ich neulich beim Shoppen gesehen habe, muss ich unbedingt haben!
  • Außerdem ist gerade „Sale“ bei Hollister, das wäre ja direkt fahrlässig, das nicht auszunutzen!

So oder so ähnlich wird oft argumentiert, wenn es um das Ausgeben von Geld geht. Da ist nicht viel mit „auf die Ausgaben achten“.

Sparen, Geld auf die Seite zu legen, ist in vielen Haushalten einfach nicht mehr cool.

Und trotzdem: die jüngsten Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Deutschen immer noch leidenschaftlich gerne Geld zur Seite legt.

Aber eben nicht alle. Jeder vierte Haushalt hierzulande hat zum Beispiel keine Ersparnisse.

Das kann in einer Krise schnell zum Problem werden. Doch es gibt noch weitere, sehr gute Gründe für das Sparen.

Hier sind meine wichtigsten:

Grund #1: Weil du Selbstbeherrschung und Verzicht lernst

Klingt erst mal nicht so attraktiv. Dabei geht es beim Sparen gar nicht um Verzicht um des Verzichts willen (lies den Satz lieber noch mal ;-)). Richtiges Sparen ermöglicht dir nämlich erst, dir in Zukunft etwas leisten zu können, das du dir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kaufen kannst. Zumindest nicht ohne Schulden zu machen.

Verzichte jetzt auf das Kleine, um später das Große zu bekommen.

Dass eine solche Einstellung das ganze Leben positiv beeinflussen kann, zeigt das berühmte Marshmallow-Experiment des gebürtigen Österreichers Walter Mischel.

Zwischen 1968 und 1974 führte er mit 4-jährigen Kindern Versuche durch, bei denen ihnen zunächst ein Marshmallow gezeigt wurde. Anschließend teilte ihnen der Versuchsleiter mit, dass er nun den Raum verlassen müsse, das Kind aber durch das Läuten einer Glocke ihn zurückrufen könne, woraufhin es den Marshmallow bekommen würde.

Wenn es aber wartete – bis zu 20 Minuten lang – bis der Leiter von selbst wieder zurückkommen würde, dann würde es zwei Marshmallows erhalten.

Jetzt auf einen Marshmallow verzichten, um später zwei zu bekommen, das war der Deal.

Das faszinierende an diesem Experiment war, was das Durchhaltevermögen und die Geduld dieser Vorschulkinder über ihr zukünftiges Leben aussagte.

Je länger sie im Alter von vier oder fünf Jahren gewartet hatten, desto besser schnitten sie als Teenager bei standardisierten Tests ab. Außerdem hatten sie weniger soziale Probleme.

Mit Ende zwanzig hatten die geduldigeren Kinder einen niedrigeren BMI, ein gesünderes Selbstbewusstsein, waren zielstrebiger und konnten besser mit Stress umgehen.

In der Mitte ihres Lebens angekommen, waren die ungeduldigen Kinder im Durchschnitt übergewichtiger und litten häufiger an Abhängigkeiten.

Ich hab leider keinen zweiten Marshmallow für dich, aber ich bin mir sicher, du wirst anderweitig belohnt werden, wenn du dich fürs Sparen entscheidest.

Warum also sparen? Um später mal ein besseres Leben zu haben, als wenn du es nicht getan hättest.

Grund #2: Weil du dir kontinuierlich ein Vermögen aufbaust

Wenn dir das Wort Sparen aus irgendwelchen Gründen nicht so zusagt, versuch’s mal mit dieser Alternative: eine Gehaltszahlung an dich selbst. Oder besser gesagt, an dein zukünftiges Ich.

Du nimmst einfach einen Teil deines Einkommens und bezahlst damit regelmäßig die Person, die du in Zukunft sein wirst. Wird das zur Gewohnheit,  führt es mit der Zeit ganz automatisch dazu, dass dein Vermögen wächst.

Dein 50-jähriges Ich wird es dir mal danken. Oder vielleicht sogar schon dein 40-jähriges, wenn du früh genug damit anfängst.

Denk einfach ab und zu an den Typen, den wird es schneller geben als du denkst. Vielleicht hilft dir dabei auch eine Aging-App oder ein ähnliches Tool.

Warum sparen? Für diesen Typ!
Ich spare gerade für den Kerl 😉

Warum sparen? Vielleicht damit dein zukünftiges Ich sich über ein kleines Vermögen freuen kann. Kein allzu schlechter Grund, oder?

Grund #3: Weil man sich Dinge tatsächlich leisten kann

Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft, in der es völlig normal geworden ist, sich Dinge zu kaufen, die man sich eigentlich nicht leisten kann, weil man das Geld dafür nicht hat.

In den USA ist dieses Verhalten zwar noch viel extremer, aber auch in Deutschland wird immer häufiger auf Pump gekauft. Bei Anschaffungen wie einem Eigenheim oder einem Auto ist dies vielleicht noch verständlich und notwendig, aber inzwischen wird schon fast jedes neue Küchengerät finanziert statt gekauft. Ok, ich übertreibe ein bisschen, aber wahrscheinlich hast du’s auch schon bemerkt, oder?

Das führt dazu, dass viele Leute ständig Schulden (wenn auch „kleinere“) haben und den Überblick über ihre Finanzen verlieren.

Keine gute Basis für finanzielle Fitness.

Wer dagegen systematisch und mit Plan spart, braucht keinen Kredit zu beantragen und Ratenzahlung ist für ihn sowieso ein Fremdwort.

Grund #4: Weil man fürs Alter vorsorgt

Vielleicht erinnerst du dich noch aus der Schule an sie: die Bevölkerungspyramide.

Es handelt sich dabei um eine grafische Darstellung der demografischen Situation eines Landes. Auf der einen Seite werden die Frauen, auf der anderen die Männer abgebildet. Das Fundament der Pyramide sind die Kinder und Jugendlichen, dann kommen die jungen Erwachsenen, die Erwachsenen, die im mittleren Alter und schließlich die Senioren.

Eine schön geformte Bevölkerungspyramide, die tatsächlich wie die Exemplare in Ägypten aussieht, ist die Basis unseres derzeitigen Rentensystems. Die große Anzahl an erwerbstätigen, jungen Erwachsenen, die in die Rentenkasse einzahlen, finanzieren den Ruhestand der kleineren Anzahl an Rentnern. Und die vielen Babys sorgen dafür, dass es immer genug Erwerbstätige geben wird, die unsere älteren Mitbürger finanzieren 🙂

Tja, so zumindest die Theorie.

In der Praxis wird die Bevölkerungspyramide Deutschlands dann, wenn meine Generation in Ruhestand geht, aller Voraussicht nach so aussehen.

Warum sparen? Du hast keine andere Wahl...

Siehst du ’ne Pyramide? Ich auch nicht.

Und genau das ist der Punkt.

Die demographische Entwicklung geht dahin, dass deine Rente in 30 Jahren (und wahrscheinlich sogar schon früher) nicht ausreichen wird, um deinen jetzigen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Im schlimmsten Fall reicht sie gar nicht zum Überleben.

Ziemlich miese Aussichten.

Es sei denn, du hast gespart und Vermögen aufgebaut. Im besten Fall bist du dann auf die gesetzliche Rente gar nicht angewiesen, weil du von deinen Ersparnissen und den Zinsen, die deine Geldanlagen abwerfen, leben kannst.

Warum sparen? Damit die Aussichten nicht ganz so mies sind und du deinen Lebensabend ohne Geldsorgen genießen kannst.

Grund #5: Weil es Spaß macht!

Nein, wirklich.

Wer mal damit angefangen hat und alle Vorteile, die es mit sich bringt, erlebt hat, wird nur schwer wieder damit aufhören können.

  • Zu sehen, dass sich das Gesamtvermögen jeden Monat erhöht, macht Spaß!
  • Zu realisieren, dass man sich dem Ziel der finanziellen Freiheit langsam aber stetig annähert, macht Spaß!
  • Zu merken, dass man selbstbeherrschter und geduldiger geworden ist, macht Spaß!
  • Sich ein Auto tatsächlich leisten zu können, weil man mehrere Jahre darauf hin gespart hat, macht Spaß!

I think you get the point. Es gibt wirklich keine Ausrede mehr.

Fazit

Warum eigentlich sparen?

Auch wenn es vielleicht nicht immer „in“ ist, gibt es nach wie vor genügend Gründe, um regelmäßig zu sparen.

Zum einen stärkt es deinen Charakter, denn du wirst selbstbeherrschter und geduldiger.

Außerdem hilft es dir dabei, ein Vermögen aufzubauen und somit für deinen Ruhestand vorzusorgen.

Du musst du auch keine Sachen mehr auf Pump kaufen und kannst dir Dinge plötzlich leisten. Das macht wirklich Spaß!

Daher sage ich:

Sparen lohnt sich. Vor allem langfristig gesehen.

Und du? Warum sparst du? Schreib es mir in die Kommentare!

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