Warum ich Gold als Geldanlage für sinnlos halte

Gold als Geldanlage

Es ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird:

„Carsten, was hältst du eigentlich von Gold als Geldanlage?“

Viele Deutschen meiden nach wie vor die Börse wie der Teufel das Weihwasser (was unnötig ist), aber Gold finden sie interessant. Mich persönlich hat dagegen Gold noch nie gereizt und ich werde mir auch in Zukunft keins kaufen.

Warum das so ist, erfährst du in diesem Artikel.

Gold als Geldanlage für die Krise?

Wenn man Goldkäufer nach ihren Beweggründen fragt, geben sie in der Regel an, dass das Edelmetall vor allem als Krisenabsicherung dienen soll. Angenommen das Finanzsystem bricht zusammen, besitzen sie dann wenigsten noch etwas, das einen echten Gegenwert bietet und wertstabil ist.

Die Frage ist nur: Stimmt diese Annahme überhaupt?

Und ist es wirklich sinnvoll, sich Gold als Geldanlage oder zumindest für den Ernstfall anzuschaffen?

Im Folgenden schauen wir uns mal 4 häufige Annahmen über Gold als sichere Geldanlage etwas näher an.

Annahme #1: Gold ist wertstabil

Klingt gut, stimmt aber nicht. Denn auch der Wert von Gold schwankt, teilweise sogar stärker als die meisten vermuten würden. Folgender Chart zeigt beispielsweise die Entwicklung des Goldpreises in Euro der letzten ca. 10 Jahre:

Quelle: goldpreis.de

Als Vergleich dazu der Chart des wohl bekanntesten weltweiten Aktien-Index MSCI World für den selben Zeitraum:

Quelle: onvista.de

Während sich der Aktien-Index mehr oder weniger stetig nach oben entwickelt hat, war Gold alles andere als stabil. Zwischen 2013 und 2014 verlor das Edelmetall mehr als ein Drittel seines Werts und brauchte anschließend ca. 5 Jahre um den Höchststand von fast 1.400 Euro pro Feinunze erneut zu erreichen.

Eine ähnliche Entwicklung machte der MSCI World zwischen 2007 und 2009 (Absturz des Kurses um mehr als die Hälfte) durch, auch in diesem Fall war 5 Jahre später der Höchststand wieder erreicht.

Gold schwankt also vielleicht nicht ganz so stark im Wert wie Aktien, aber als wertstabil kann man es wirklich nicht bezeichnen.

Annahme #2: Gold schützt vor der Inflation

Viele Sparer haben die Auswirkung der Inflation auf ihre Kaufkraft gar nicht auf dem Schirm. Somit ist es schon mal lobenswert, wenn du dir darüber Gedanken machst und versuchst dich davor zu schützen.

Nach wie vor befindet sich zu viel deutsches Sparguthaben auf Girokonten und Sparbüchern, wo es der Inflation schutzlos ausgesetzt ist.

Um den Kaufkraftverlust durch die Inflation zu vermeiden, muss eine Rendite her, die höher ist als die durchschnittliche Inflationsrate. Zwischen 2009 und 2018 lag diese in Deutschland bei 1,22 Prozent (eigene Berechnung mit Hilfe dieser Grafik des Statistischen Bundesamts).

Mit einem einmaligen Investment in Gold konnte man im gleichen Zeitraum eine Rendite von ca. 9% einfahren. Sprich, wenn man 2009 Gold gekauft und bis 2019 nicht wieder verkauft hat. In diesem Jahrzehnt hättest du also die Inflation geschlagen.

Wenn du dir allerdings die folgende Grafik ansiehst, wirst du bemerken, dass das nicht automatisch für jedes Jahrzehnt gilt:

Quelle: goldpreis.de (Goldpreis in Euro)

Zwischen 1990 und 2000 betrug die Rendite von Gold -2,6% (Berechnung von Finanztip).

Die Inflationsrate im gleichen Zeitraum? 2,4% (wiederum eigene Berechnung mit Hilfe dieser Grafik des Statistischen Bundesamts).

Schützt Gold dich vor der Inflation, so wie es oft behauptet wird? Manchmal ja, manchmal nein. Darauf verlassen kannst du dich daher keinesfalls.

Annahme #3: Gold ist eine gute Geldanlage in unsicheren Zeiten

Es ist tatsächlich so, dass der Goldpreis häufig dann nach oben geht, wenn es irgendwo auf der Welt unruhig wird.

  • Als die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmarschierte und im Iran die Islamische Revolution stattfand, erreichte der Goldpreis im Jahr darauf ein Hoch von 850 Dollar pro Feinunze.
  • Als am 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers in New York einem Terroranschlag zum Opfer fielen, rauschte der Goldpreis innerhalb weniger Tage um fast 10% in die Höhe.
  • Und als am 15. September 2008 die Investment-Bank Lehman Brothers pleite ging und als Sinnbild für die globale Finanzkrise in die Geschichte einging, sprang der Preis innerhalb der nächsten Tage von 775 auf über 900 Dollar.

Das klingt zunächst einmal gut und scheint die Annahme zu bestätigen. Wenn man sich jedoch anschaut, was mit dem Goldpreis bereits kurze Zeit nach diesen Ereignissen jeweils passierte, ergibt sich ein anderes Bild.

  • Im Jahr 1980 fiel der Preis von seinem Hoch im Januar (850$/Feinunze) auf 600 Dollar im Dezember.
  • Weniger als zwei Monate nach 9/11 hatte der Goldpreis schon wieder das Niveau erreicht, das er direkt vor den Anschlägen gehabt hatte.
  • Nach der Lehman-Pleite rutschte der Goldkurs bereits im folgenden Monat auf 750$ herunter und erreichte erst wieder im nächsten Jahr sein voriges Hoch.

Noch mal zur Veranschaulichung der Verlauf des Goldpreises während der letzten Weltwirtschaftskrise:

Quelle: goldpreis.de (Goldpreis in Dollar)

Ja, es ging insgesamt nach oben, aber gerade im Jahr 2008, also während des Höhepunkts der Krise, auch immer wieder ordentlich nach unten.

Übrigens: nach dem der Goldpreis im Jahr 1980 von 850 auf 600 gefallen war, fiel er anschließend noch weiter und erreichte in den nächsten zwei Jahrzehnten nur noch ein mal kurz die 500 Dollar Marke. Ansonsten dümpelte er fast 20 Jahre lang um die 400 Dollar herum.

Wenn du also in einer unsicheren Zeit kaufst, kannst du durchaus auch mit Gold empfindliche Verluste machen.

Annahme #4: Gold ist nicht spekulativ

Letztendlich bestimmen auch bei Gold – so wie auf den meisten Märkten – Angebot und Nachfrage den Preis. Diesen daher vorhersagen zu wollen ist Unsinn.

Wer sein Geld in Gold anlegt, der spekuliert darauf, dass sich der Goldpreis auch in den nächsten 20, 30 oder 40 Jahren nach oben bewegen wird.

Aber wer kann das garantieren?

Bei Aktien und Aktien-ETFs stehen ganze Unternehmen mit Human- und Produktivkapital dahinter, die einen gewissen Wert besitzen.

Mal ganz zu schweigen von den weiteren Vorteilen einer Anlage in ETFs.

Bei Gold hingegen lässt sich schwer sagen, wie hoch der intrinsische Wert des edlen Metalls wirklich ist. Letztendlich kommt es dann (wie bei jeder Währung) darauf an, wie viel Wert ihm von den verschiedenen Akteuren unseres marktwirtschaftlichen Systems beigemessen wird. Auch und vor allem in einer Krise. Mit anderen Worten:

Wie gr0ß ist das Vertrauen in Gold, wenn es hart auf hart kommt, wirklich?

Ich behaupte: Niemand kann das vorhersagen.

Deshalb ist es meines Erachtens keinesfalls sicher, dass Gold immer steigen wird und immer seinen Wert behalten wird. Daher lautet mein Urteil: Spekulation.

Fazit

Gold als Geldanlage ist nach wie vor sehr beliebt in Deutschland. Aufgrund von zumindest fragwürdigen Annahmen setzen viele ihre Hoffnung auf das Edelmetall.

Vor allem in Krisenzeiten.

Doch Gold ist zur Absicherung nur bedingt geeignet. Keiner kann vorhersagen, wie sich der Wert langfristig wirklich entwickeln wird.

Außerdem sollte dir auch bewusst sein, dass es meistens Geld kostet, Gold zu lagern. Egal ob im Bankschließfach oder zu Hause im eigenen Tresor – Gold zu besitzen ist nicht unbedingt günstig.

Da lobe ich mir mein kostenloses Wertpapierdepot.*

Daher steht für mich nach wie vor fest: Gold als Geldanlage ist sinnlos.

Wie siehst du das? Ist Gold für dich eine sinnvolle Geldanlage und falls ja, warum? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

7 Gedanken zu „Warum ich Gold als Geldanlage für sinnlos halte“

  1. Hallo Carsten,

    das ist eine nachvollziehbare Argumentation gegen ein Investment in Gold. Vielen Dank dafür! Es gibt aber auch ein paar Gründe, die für Gold als Depotbeimischung sprechen.

    Gold gilt auf Grund seiner Schutzfunktion und seiner Eigenschaft als weltweit anerkanntes Zahlungsmittel als sicherer Hafen in schweren Krisen. Langfristig entwickeln sich andere Anlageklassen deutlich besser. Wer nicht an die ganz große Apokalypse glaubt und Vermögen ausschließlich unter Renditeaspekten anlegt, kann darüber nachdenken auf Gold im Depot zu verzichten.

    Für mich persönlich ist physisches Gold, welches angefasst und in der Hand gehalten werden kann, ein in meinem Vermögensaufbau bewusst integrierter Ausgleich zum „nichtgreifbaren“ elektronischen Zahlungsverkehr bzw. Börsenhandel.

    Mit meinen Goldmünzen versuche ich bis zu meiner persönlichen Obergrenze durch antizyklisches Handeln eine gewisse Stabilität ins Depot zu bekommen. Die Schutzfunktion und Gold als Zahlungsmittel liegen nicht primär in meinem Fokus, bilden aber ebenso wie die Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer einen angenehmen Nebenaspekt.

    Nicht zuletzt konnte man im Jahr 2019 auch seine 20 % Wertentwicklung erreichen. Das ist sooo schlecht nicht für eine Depotbeimischung.

    Fall sich deine Leser für eine entgegengesetzte Meinung interessieren, habe ich meinen Artikel hier angefügt
    https://marcowenzel.de/gold-gehoert-in-jedes-depot/

    Wenn sich deine Leser für eine gegensätzliche Meinung interessieren, freue ich mich natürlich sehr.

    Viele Grüße
    Marco

    1. Hallo Marco,

      Danke für deinen Kommentar. Bloggen ist ja immer irgendwie auch ein Dialog, von dem her finde ich es gut, dass du hier eine andere Meinung vertrittst und den Link zum entsprechenden Artikel postest.

      Schöne Grüße,

      Carsten

  2. Hallo Carsten,

    wenn es Ihr Ziel ist, so wie Sie es unter Ihrem Bild schreiben, Vermögensaufbau zu betreiben, dann ist Gold sicherlich nicht das primäre Anlagegut. Dennoch dreht sich Ihre Argumentation im vorliegenden Beitrag nicht um den Vermögensaufbau, sondern befasst sich mit den Eigenschaften von Gold im Allgemeinen.

    Zu Ihrem Fazit von Annahme #1: Gold schwankt so stark wie Aktien, vielleicht etwas weniger. Wertstabil in Euro ausgedrückt sind also weder Aktien, noch Gold. Warum ist das jetzt ein Argument gegen Gold?

    Zu Ihrem Fazit von Annahme #2: Gold kann vor der Inflation schützen, kann das ist aber natürlich nicht garantieren. Aber welches Anlagegut garantiert das schon? Fairerweise müssten Sie Gold über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren und unabhängig von einer Währung betrachten, als nur zurück bis 1990 und in Euro. Erst dann können Sie meiner Meinung nach eine valide Aussage über Kaufkrafterhalt (Inflation) treffen.

    Zu Ihrem Fazit von Annahme #3: Dass ein vermeintlich sicherer Hafen wie Gold in Kriegs- und Krisenzeiten einen irrationalen Ausschlag nach oben erlebt und danach abfällt, ist nicht überraschend. Der Ausschlag nach oben war eben irrational bzw. von Angst geleitet. Das Äquivalent für Aktien wäre, wenn Sie auf dem Höhepunkt einer Euphorie ansetzten, um danach den Verfall der Preise als Argument gegen Aktien zu verwenden. Das ist nicht fair.

    Zur Ihrem Fazit von Annahme #4: Dass das Goldkaufen mit einem gewissen Risiko behaftet, also spekulativ ist, kann ich nicht bestreiten. Das gilt aber ebenso für alle anderen Anlageklassen. Ich glaube nicht, dass jemand ernsthaft vom Gold erwartet, gegen alle Unwägbarkeiten des Finanzsystem Schutz zu garantieren.

    Nun also meine 3-Cents zum Thema: Gold kann heute (noch) jederzeit anonym gekauft werden. Es ist anonymes Vermögen, nirgendwo verzeichnet, kann nicht gepfändet werden, ist mobil und global einsetzbar. Wie soll denn bei einem anonymen Kauf nachgewiesen werden, dass irgendwo irgendwann mal Gold gekauft wurde? Wie soll also das Goldverbot bei bereits Besitzenden effektiv greifen? Zum Vermögensaufbau würde ich Gold nicht empfehlen, aber als Absicherung des eigenen diversifizierten Vermögens ist es sehr gut geeignet. Daher: Nicht in Krisenzeiten kaufen, sondern eher in Zeiten dieser momentan langsam steigenden Verrücktheiten von jahrelangen Nullzinsen, weltweiten Stellvertreterkriegen und politischer Ahnungs- sowie Machtlosigkeit in Deutschland.

    Viele Grüße

    V. Bouvier

    1. Hallo Vincent,

      Vielen Dank für den interessanten Kommentar.

      Mir ging es in dem Artikel in erster Linie darum aufzuzeigen, dass die häufigen Annahmen über Gold, die Menschen dazu animieren es zu kaufen, zumindest teilweise falsch sind. Für mich persönlich spricht daher zu wenig für ein Investment in Gold. Ich betreibe meinen Vermögensaufbau ohne Gold oder andere Edelmetalle und bin zufrieden damit.

      Viele Grüße,

      Carsten

  3. Aus Renditegesichtspunkten heraus darf man kein Gold kaufen, hier stimme ich zu. Was aber oft vergessen wird, ist Mr. Big Brother: Unser allseits geliebter und immer (all-)mächtiger werdende Staat! Ein elektronisches Depot kann man ausspähen, Bitcoins kann man durch Hacker und/oder Stromausfälle lahm legen, bei zahlreichen Anträgen bzw. Einkommens- und Vermögensprüfungen muss man seine Vermögensbestände detailliert angeben mit Kontoauszügen, Transferbewegungen usw. Ob man aber an irgendeinem oder mehreren Orten Edelmetalle (muss nicht Gold sein, Silber oder Platin geht z.B. genau so) gelagert hat, weiss im Zweifel kein Schwein… und vor allem nicht unsere neo-sozialistische Ausbeuter-Riege von ganz oben! Und hier habe ich auch keine Skrupel, denn die einzige Möglichkeit den totalitären Staat zu schädigen, ist nicht, irgendwelche Pappschilder hoch zu halten (wo dann hirnbefreite Parolen drauf stehen wie zB: „Meine Nationalität ist Mensch“), sondern ihm GELD zu entziehen und dazu ist der Edelmetallbesitz durchaus ein probates Mittel.

  4. Guter Artikel, ich habe auch kein Gold aus diesen Gründen.

    Du hast das Goldverbot 1933 von Roosevelt vergessen, wo alle Amerikaner ihr Gold abliefern mussten. Was im Land des Kapitalismus möglich ist, ist bei uns erst recht möglich.

    Weiter so, lese gerne deinen Blog.

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