Aktien oder Immobilien – welche Anlageform ist langfristig die bessere Wahl? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Anlageklassen können zum Vermögensaufbau beitragen, unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich Renditechancen, Risiken, Liquidität, laufender Kosten und des erforderlichen persönlichen Aufwands.
Während Aktien bereits mit vergleichsweise kleinen Beträgen gekauft und innerhalb kurzer Zeit wieder verkauft werden können, erfordert der Kauf einer Immobilie normalerweise deutlich mehr Kapital. Hinzu kommen Kaufnebenkosten, Finanzierungskosten, Versicherungen, Instandhaltung und gegebenenfalls die Verwaltung eines vermieteten Objekts.
Für einen sinnvollen Vergleich reicht es deshalb nicht aus, lediglich die mögliche Wertsteigerung zu betrachten. Entscheidend ist vielmehr die Frage:
Welche Rendite bleibt nach allen Kosten übrig – und welches Risiko muss der Investor dafür eingehen?
Im Folgenden vergleichen wir Aktien und Immobilien hinsichtlich Rendite, Volatilität, Risiko, Liquidität, Finanzierung und laufender Kosten.
Warum Rendite, Risiko und Volatilität gemeinsam betrachtet werden sollten
Eine hohe Rendite klingt zunächst attraktiv. Doch Rendite lässt sich nicht unabhängig vom Risiko betrachten.
Grundsätzlich gilt: Je höher die erwartete Rendite einer Anlage ist, desto größere Schwankungen oder Verlustrisiken muss ein Anleger häufig akzeptieren.
Dabei sollten insbesondere drei Faktoren betrachtet werden:
- Rendite: Wie stark kann sich das eingesetzte Kapital langfristig vermehren?
- Volatilität: Wie stark schwankt der Marktwert einer Anlage?
- Risiko: Wie wahrscheinlich sind dauerhafte Verluste oder finanzielle Schwierigkeiten?
Hinzu kommen weitere Aspekte wie Liquidität, Steuern, Finanzierung, laufende Kosten und der notwendige Zeitaufwand.
Gerade bei Immobilien wird dieser Punkt häufig unterschätzt. Eine Immobilie wirkt auf den ersten Blick möglicherweise weniger volatil als eine Aktie, weil ihr Marktwert nicht täglich an einer Börse angezeigt wird. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie risikofrei oder wertstabil ist.
Aktien als Kapitalanlage
Mit dem Kauf einer Aktie erwerben Anleger einen Anteil an einem Unternehmen. Entwickelt sich das Unternehmen positiv, können Anleger von steigenden Aktienkursen und gegebenenfalls von Dividenden profitieren.
Aktien ermöglichen außerdem eine sehr breite Streuung des Kapitals. Über Fonds oder ETFs können Anleger mit einer einzigen Anlage in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen investieren.
Rendite von Aktien
Die Rendite einer Aktienanlage kann grundsätzlich aus zwei Komponenten entstehen:
- Kurssteigerungen
- Dividenden
Wie hoch die tatsächliche Rendite ausfällt, hängt unter anderem vom Einstiegszeitpunkt, der Anlagedauer, der Auswahl der Unternehmen beziehungsweise des Index und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Kurzfristig können Aktien erhebliche Verluste erleiden. Über lange Anlagezeiträume kann sich das Verhältnis von Risiko und Renditechance jedoch verbessern.
Deshalb eignen sich Aktien insbesondere für Anleger, die einen ausreichend langen Anlagehorizont besitzen und zwischenzeitliche Kursverluste finanziell und emotional aushalten können.
Volatilität von Aktien
Ein wesentlicher Unterschied zu Immobilien besteht darin, dass Aktien börsentäglich bewertet werden.
Die Kurse können aufgrund von:
- Unternehmensnachrichten,
- Zinsänderungen,
- Konjunkturentwicklungen,
- politischen Ereignissen,
- Krisen,
- technologischen Veränderungen oder
- veränderten Erwartungen der Anleger
innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen oder fallen.
Diese sichtbaren Schwankungen werden als Volatilität bezeichnet.
Eine hohe Volatilität bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass eine Anlage langfristig schlechter ist. Für langfristige Anleger kann entscheidender sein, ob ein Verlust dauerhaft ist oder lediglich eine vorübergehende Kursschwankung darstellt.
Risiken einer Aktienanlage
Auch Aktien sind keineswegs risikofrei.
Zu den wichtigsten Risiken gehören:
- Marktrisiko: Ein gesamter Aktienmarkt kann erheblich fallen.
- Unternehmensrisiko: Einzelne Unternehmen können wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen oder sogar insolvent werden.
- Branchenrisiko: Bestimmte Wirtschaftszweige können über Jahre unter Druck geraten.
- Währungsrisiko: Bei ausländischen Anlagen können Wechselkursbewegungen die Rendite beeinflussen.
- Psychologisches Risiko: Anleger können in Krisen aus Angst verkaufen und dadurch Verluste realisieren.
Ein wesentlicher Vorteil von Aktien besteht allerdings darin, dass sich viele dieser Risiken durch eine breite Diversifikation reduzieren lassen.
Wer beispielsweise nicht in wenige Einzelaktien, sondern breit über verschiedene Regionen, Branchen und Unternehmen investiert, ist weniger stark vom Erfolg eines einzelnen Unternehmens abhängig.
Liquidität als großer Vorteil von Aktien
Ein weiterer Vorteil börsengehandelter Aktien ist ihre hohe Liquidität.
Viele Aktien und ETFs können während der Börsenzeiten innerhalb kurzer Zeit gekauft oder verkauft werden. Anleger können daher vergleichsweise flexibel auf ihr Kapital zugreifen.
Bei Immobilien ist dies deutlich schwieriger.
Der Verkauf eines Hauses oder einer Wohnung kann Wochen oder Monate dauern. Zusätzlich entstehen beim Kauf und Verkauf erhebliche Transaktionskosten.
Kosten einer Aktienanlage
Auch Aktien sind nicht kostenlos. Je nach Anlageform können beispielsweise entstehen:
- Ordergebühren,
- Depotkosten,
- Fonds- oder ETF-Kosten,
- Spreads beim Kauf und Verkauf sowie
- Steuern auf Kapitalerträge.
Bei kostengünstigen ETFs können die laufenden Kosten allerdings vergleichsweise niedrig sein.
Immobilien als Kapitalanlage
Immobilien gehören ebenfalls zu den klassischen Möglichkeiten des langfristigen Vermögensaufbaus.
Eine vermietete Immobilie kann dabei grundsätzlich auf zwei Wegen Erträge erwirtschaften:
- durch laufende Mieteinnahmen und
- durch eine mögliche Wertsteigerung der Immobilie.
Im Gegensatz zu Aktien handelt es sich bei einer Immobilie um einen realen, greifbaren Vermögenswert. Gleichzeitig ist eine Immobilieninvestition wesentlich komplexer, als es zunächst erscheinen mag.
Denn die Bruttomiete ist keinesfalls mit der tatsächlichen Rendite des Investors gleichzusetzen.
Rendite einer Immobilie richtig berechnen
Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich die jährlichen Mieteinnahmen mit dem Kaufpreis zu vergleichen.
Eine realistische Immobilienrendite muss dagegen zahlreiche Kosten berücksichtigen.
Dazu zählen unter anderem:
- Kaufpreis,
- Grunderwerbsteuer,
- Notar- und Grundbuchkosten,
- gegebenenfalls Maklerkosten,
- Kreditzinsen,
- Instandhaltung und Reparaturen,
- Modernisierungen,
- Verwaltungskosten,
- nicht umlagefähige Nebenkosten,
- Versicherungen,
- möglicher Mietausfall und
- Steuern.
Die entscheidende Kennzahl ist daher nicht ausschließlich die Bruttomietrendite, sondern insbesondere der tatsächliche Überschuss nach Kosten.
Eine Immobilie mit einer scheinbar hohen Mietrendite kann sich beispielsweise deutlich weniger attraktiv entwickeln, wenn regelmäßig größere Reparaturen notwendig werden oder längere Leerstandszeiten entstehen.
Versicherungen bei Immobilien: ein oft unterschätzter Kostenfaktor
Wer eine Immobilie besitzt, muss sich auch mit dem passenden Versicherungsschutz beschäftigen.
Besonders wichtig ist die Wohngebäudeversicherung. Sie kann das Gebäude beispielsweise gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel absichern. Je nach Standort und Risikosituation kann zusätzlich eine Absicherung gegen weitere Naturgefahren sinnvoll sein.
Für finanzierte Immobilien ist der Versicherungsschutz besonders relevant. Kreditinstitute verlangen bei einer Immobilienfinanzierung üblicherweise einen ausreichenden Gebäudeschutz; laut Verbraucherzentrale wird dabei zumindest die Absicherung des Feuerrisikos regelmäßig vorausgesetzt.
Je nach Immobilie und Nutzung können weitere Versicherungen relevant sein, beispielsweise:
- Wohngebäudeversicherung: schützt das Gebäude selbst vor bestimmten versicherten Schäden.
- Elementarschadenversicherung: kann je nach Vertrag unter anderem zusätzliche Naturgefahren absichern.
- Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht: kann insbesondere bei vermieteten Immobilien für Haftungsrisiken des Eigentümers wichtig sein.
- Gewässerschadenhaftpflicht: kann beispielsweise bei bestimmten Heizöltanks relevant werden.
- Bauherrenhaftpflicht: kann beim Neubau oder bei größeren Bauvorhaben sinnvoll sein.
- Bauleistungsversicherung: kann bestimmte unvorhergesehene Schäden während einer Bauphase abdecken.
- Rechtsschutz: kann abhängig von der persönlichen Situation beispielsweise bei Streitigkeiten rund um vermietete Immobilien interessant sein.
Nicht jede Police ist für jeden Eigentümer notwendig. Entscheidend ist, existenzbedrohende Risiken abzusichern und den Versicherungsschutz regelmäßig an Immobilie, Nutzung und persönliche Situation anzupassen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt grundsätzlich, existenzielle Risiken bei der Auswahl von Versicherungen zu priorisieren.
Versicherungsbeiträge gehören deshalb ebenso wie Instandhaltung oder Finanzierung zu den Kosten, die ein Immobilieninvestor in seine Renditeberechnung einbeziehen sollte.
Instandhaltung und Reparaturen nicht unterschätzen
Eine Immobilie verursacht selbst dann Kosten, wenn der Kredit vollständig zurückgezahlt wurde.
Dächer, Heizungen, Fenster, Fassaden, Leitungen oder technische Anlagen haben eine begrenzte Lebensdauer. Früher oder später können Reparaturen oder Modernisierungen notwendig werden.
Deshalb sollten Eigentümer kontinuierlich Rücklagen bilden.
Die Verbraucherzentrale nennt für den langfristigen Werterhalt als mögliche Orientierung jährlich rund zwei Prozent des Wertes der Bausubstanz, wobei der tatsächliche Bedarf stark von Alter, Zustand und Art des Gebäudes abhängt.
Wer sämtliche Mieteinnahmen ausgibt und keine Rücklagen bildet, kann bei einer größeren Reparatur schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Finanzierung als Chance und Risiko
Eine Besonderheit von Immobilien besteht darin, dass sie häufig zu einem erheblichen Teil mit Fremdkapital gekauft werden.
Dadurch entsteht ein Hebeleffekt.
Steigt der Wert einer Immobilie, kann dieser Effekt die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital erhöhen.
Der gleiche Mechanismus funktioniert allerdings auch in die andere Richtung.
Sinkt der Immobilienwert oder fallen Mieteinnahmen aus, muss der Kredit trotzdem bedient werden.
Beispiel:
Eine Immobilie kostet 400.000 Euro. Der Investor bringt 100.000 Euro eigenes Kapital ein und finanziert den übrigen Betrag über einen Kredit.
Sinkt der Immobilienwert um 10 Prozent, entspricht dies einem Wertverlust von 40.000 Euro.
Bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital von 100.000 Euro entspricht dieser Wertverlust bereits 40 Prozent – noch bevor weitere Kosten berücksichtigt werden.
Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite daher erhöhen, gleichzeitig aber auch das Risiko deutlich verstärken.
Zinsänderungsrisiko bei Immobilien
Bei finanzierten Immobilien spielt außerdem das Zinsniveau eine erhebliche Rolle.
Läuft die Zinsbindung eines Kredits aus und muss eine Anschlussfinanzierung zu einem höheren Zinssatz abgeschlossen werden, kann die monatliche Belastung steigen.
Eine Immobilienfinanzierung sollte deshalb nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob die Kreditrate heute bezahlt werden kann.
Auch zukünftige Szenarien sollten berücksichtigt werden:
- Was passiert bei steigenden Zinsen?
- Was passiert bei einem vorübergehenden Einkommensverlust?
- Was passiert bei unerwarteten Reparaturen?
- Wie lange reichen vorhandene Rücklagen?
Immobilienfinanzierungen laufen häufig über Jahrzehnte. Eine ausreichende finanzielle Reserve ist deshalb besonders wichtig.
Leerstand und Mietausfall
Bei vermieteten Immobilien besteht zusätzlich das Risiko, dass eine Wohnung vorübergehend leer steht oder Mietzahlungen ausbleiben.
Gleichzeitig laufen viele Kosten weiter:
- Kreditrate,
- Versicherungen,
- Grundsteuer,
- Verwaltung,
- Instandhaltung und
- bestimmte Nebenkosten.
Investoren sollten deshalb nicht mit einer dauerhaft hundertprozentigen Auslastung kalkulieren.
Ein finanzieller Puffer kann verhindern, dass bereits wenige Monate mit geringeren Einnahmen zu Problemen führen.
Standortrisiko bei Immobilien
Der Wert einer Immobilie wird besonders stark durch ihren Standort beeinflusst.
Relevant sind beispielsweise:
- Bevölkerungsentwicklung,
- Arbeitsmarkt,
- Infrastruktur,
- Verkehrsanbindung,
- Schulen und Einkaufsmöglichkeiten,
- Neubauaktivität,
- lokale Mietnachfrage und
- allgemeine Attraktivität des Wohnortes.
Eine Immobilie in einer wirtschaftlich schwachen Region kann sich völlig anders entwickeln als ein vergleichbares Objekt in einer stark nachgefragten Stadt.
Anders als bei einem breit gestreuten Aktienportfolio konzentriert ein Immobilienkäufer häufig einen erheblichen Teil seines Vermögens auf ein einziges Objekt und einen einzigen Standort.
Dieses sogenannte Klumpenrisiko sollte nicht unterschätzt werden.
Immobilien wirken weniger volatil – sind sie deshalb sicherer?
Immobilienpreise scheinen häufig wesentlich stabiler als Aktienkurse.
Ein Grund dafür ist jedoch, dass Immobilien nicht jeden Tag an einer Börse gehandelt und bewertet werden.
Besitzt jemand eine Wohnung im Wert von 400.000 Euro, erscheint nicht jeden Abend ein neuer Marktpreis auf einem Bildschirm.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der tatsächliche Marktwert konstant bleibt.
Änderungen des Zinsniveaus, der Nachfrage oder der wirtschaftlichen Situation einer Region können den möglichen Verkaufspreis erheblich beeinflussen.
Die gemessene beziehungsweise sichtbare Volatilität einer Immobilie sollte deshalb nicht automatisch mit ihrem tatsächlichen wirtschaftlichen Risiko gleichgesetzt werden.
Liquiditätsrisiko einer Immobilie
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu Aktien ist die geringe Liquidität.
Wer 10.000 Euro aus einem Aktienportfolio benötigt, kann einen entsprechenden Teil seiner Wertpapiere verkaufen.
Bei einer Immobilie ist das nicht ohne Weiteres möglich.
Ein Haus oder eine Wohnung kann normalerweise nicht stückweise verkauft werden. Ein vollständiger Verkauf benötigt außerdem Zeit und verursacht Transaktionskosten.
Investoren sollten deshalb neben einer Immobilie ausreichend liquide Rücklagen besitzen.
Immobilien bedeuten häufig auch Arbeit
Ein Aktien- oder ETF-Portfolio kann nach dem Kauf mit vergleichsweise geringem Aufwand verwaltet werden.
Eine direkt gehaltene vermietete Immobilie ist dagegen häufig mit laufenden Aufgaben verbunden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Mietersuche,
- Mietverträge,
- Nebenkostenabrechnungen,
- Kommunikation mit Mietern,
- Organisation von Reparaturen,
- Handwerkertermine,
- Versicherungsfälle,
- Eigentümerversammlungen und
- steuerliche Dokumentation.
Ein Teil dieser Aufgaben kann an eine Haus- oder Mietverwaltung ausgelagert werden. Dadurch entstehen wiederum zusätzliche Kosten.
Aktien und Immobilien im direkten Vergleich
| Kriterium | Aktien / ETFs | Direkte Immobilieninvestition |
|---|---|---|
| Einstiegskapital | Gering | Meist hoch |
| Liquidität | In der Regel hoch | Gering |
| Diversifikation | Sehr einfach möglich | Mit hohem Kapitalaufwand verbunden |
| Sichtbare Kursschwankungen | Hoch | Deutlich geringer sichtbar |
| Finanzierung mit Fremdkapital | Für Privatanleger eher unüblich | Sehr häufig |
| Laufende Instandhaltung | Keine | Ja |
| Versicherungskosten | Keine objektspezifischen Versicherungen | Mehrere Versicherungen können erforderlich oder sinnvoll sein |
| Verwaltungsaufwand | Gering | Teilweise erheblich |
| Laufende Einnahmen | Dividenden möglich | Mieteinnahmen möglich |
| Klumpenrisiko | Durch ETFs leicht reduzierbar | Bei einem einzelnen Objekt häufig hoch |
| Transaktionskosten | Meist relativ niedrig | Vergleichsweise hoch |
Bruttorendite ist nicht gleich Nettorendite
Besonders beim Vergleich von Aktien und Immobilien sollte darauf geachtet werden, dieselben Größen miteinander zu vergleichen.
Bei Aktien sollte beispielsweise eine Rendite inklusive Dividenden betrachtet werden.
Bei Immobilien reicht es dagegen nicht aus, lediglich die Jahresmiete durch den Kaufpreis zu teilen.
Von den Einnahmen müssen gegebenenfalls noch Kosten für:
- Finanzierung,
- Instandhaltung,
- Verwaltung,
- Versicherungen,
- Leerstand,
- nicht umlagefähige Nebenkosten und
- Steuern
abgezogen werden.
Erst danach lässt sich beurteilen, wie profitabel eine Immobilieninvestition tatsächlich ist.
Ein häufig übersehener Unterschied: Zeitaufwand
Neben Geld sollte auch die eigene Zeit als Ressource betrachtet werden.
Ein breit gestreutes ETF-Portfolio kann mit wenigen Transaktionen aufgebaut und anschließend weitgehend passiv gehalten werden.
Eine vermietete Immobilie kann dagegen einem kleinen Unternehmen ähneln.
Mieter, Handwerker, Versicherungen, Banken, Hausverwaltung, Steuerberater und Behörden können regelmäßig Aufmerksamkeit erfordern.
Wer Immobilieninvestitionen miteinander vergleicht, sollte deshalb neben der finanziellen Rendite auch die Rendite auf die eingesetzte Zeit berücksichtigen.
Was passiert in einer Krise?
Aktien reagieren auf Wirtschaftskrisen häufig sehr schnell. Innerhalb weniger Wochen können erhebliche Kursverluste entstehen.
Bei Immobilien erfolgt die Anpassung meist langsamer.
Allerdings können Immobilienbesitzer gleichzeitig mit mehreren Problemen konfrontiert werden:
- sinkenden Immobilienpreisen,
- höheren Finanzierungskosten,
- Mietausfällen,
- größeren Reparaturen oder
- einem eigenen Einkommensverlust.
Ein entscheidender Unterschied besteht darin, dass ein Aktienanleger ohne Fremdfinanzierung normalerweise nicht gezwungen ist, zusätzliches Kapital einzuzahlen, nur weil sein Depotwert fällt.
Ein Immobilienbesitzer muss seine Kreditrate dagegen weiterhin bezahlen – unabhängig davon, welchen Marktwert die Immobilie gerade besitzt.
Aktien oder Immobilien: Was eignet sich für wen?
Aktien beziehungsweise breit gestreute ETFs können besonders interessant sein für Anleger, die:
- mit kleinen oder regelmäßigen Beträgen investieren möchten,
- eine hohe Liquidität bevorzugen,
- ihr Kapital weltweit diversifizieren möchten,
- wenig Verwaltungsaufwand wünschen und
- starke zwischenzeitliche Kursschwankungen akzeptieren können.
Eine Immobilie kann besonders interessant sein für Investoren, die:
- ausreichend Eigenkapital besitzen,
- langfristig investieren möchten,
- sich mit Finanzierung und Immobilienmärkten beschäftigen wollen,
- ausreichende Rücklagen für Reparaturen und Leerstand besitzen,
- den Verwaltungsaufwand akzeptieren und
- gezielt Fremdkapital zum Vermögensaufbau einsetzen möchten.
Muss man sich überhaupt zwischen Aktien und Immobilien entscheiden?
Nicht unbedingt.
Aktien und Immobilien können unterschiedliche Funktionen innerhalb eines Vermögensportfolios erfüllen.
Ein Anleger kann beispielsweise einen Teil seines Vermögens über Aktien oder ETFs weltweit diversifizieren und gleichzeitig eine Immobilie besitzen.
Dadurch können verschiedene Ertragsquellen kombiniert werden.
Allerdings sollte auch dann die Gesamtvermögenssituation betrachtet werden.
Wer beispielsweise bereits ein Eigenheim besitzt und gleichzeitig fast das gesamte übrige Vermögen in Immobilien investiert, besitzt möglicherweise eine wesentlich stärkere Immobilienkonzentration, als ihm bewusst ist.
Diversifikation bedeutet deshalb nicht einfach, möglichst viele verschiedene Investments zu besitzen. Entscheidend ist, wie stark deren Risiken tatsächlich miteinander zusammenhängen.
Fazit: Aktien oder Immobilien – welche Anlage bietet die bessere Rendite-Risiko-Kombination?
Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht.
Aktien bieten eine hohe Liquidität, eine einfache Diversifikation und die Möglichkeit, bereits mit kleinen Beträgen weltweit an der wirtschaftlichen Entwicklung zahlreicher Unternehmen teilzunehmen. Dafür müssen Anleger deutliche und jederzeit sichtbare Kursschwankungen akzeptieren.
Immobilien können laufende Mieteinnahmen ermöglichen und lassen sich vergleichsweise gut mit Fremdkapital finanzieren. Gleichzeitig konzentriert sich das Investment häufig auf ein einzelnes Objekt, einen Standort und wenige Mieter. Hinzu kommen hohe Kaufnebenkosten, Finanzierungskosten, Versicherungen, Instandhaltung, Verwaltung und das Risiko von Leerständen.
Deshalb sollte eine Immobilie niemals allein anhand ihrer möglichen Wertsteigerung oder Bruttomietrendite beurteilt werden.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie hoch ist die langfristige Nettorendite nach Finanzierung, Steuern, Versicherungen, Reparaturen, Verwaltung und möglichen Mietausfällen – und welches Risiko muss dafür eingegangen werden?
Dasselbe gilt für Aktien: Nicht einzelne gute Börsenjahre entscheiden über den Anlageerfolg, sondern eine langfristige Strategie, ausreichende Diversifikation, niedrige Kosten und die Fähigkeit, auch schwierige Marktphasen durchzuhalten.
Für viele Anleger muss die Entscheidung deshalb nicht „Aktien oder Immobilien?“ lauten. Sinnvoller kann die Frage sein, welche Kombination verschiedener Anlageklassen am besten zur eigenen finanziellen Situation, Risikotoleranz und den langfristigen Zielen passt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Versicherungsberatung dar.
