Warum dein Tagesgeldkonto dich arm macht

Am guten Willen liegt’s auf jeden Fall nicht.

Knapp drei Viertel der Deutschen hat sich vorgenommen in diesem Kalenderjahr mehr zu sparen als noch 2016. Vor allem die deutsche Jugend scheint sehr motiviert zu sein, denn 90% von ihnen geben an, dieses Jahr mehr aufs sparen achten zu wollen.

Auch was die Sparquote angeht, sieht es eigentlich recht gut aus. Fast ein Zehntel des verfügbaren Einkommens wird hierzulande im Durchschnitt gespart.

Das ist zwar immer noch fast die Hälfte dessen, was beispielsweise die Schweizer sparen, aber eben auch fast doppelt soviel wie die Amerikaner. Alles eine Frage der Perspektive also.

Klingt aber eigentlich alles soweit gut. Deutschland, das Land der Sparer. Alles paletti, oder?

Eher nicht.

Denn Sparen allein reicht noch lange nicht, um Moneybuilding zu betreiben. Es ist nur der erste Schritt. Was mit dem zurückgelegten Geld als nächstes passiert ist nämlich noch viel entscheidender.

Und genau da liegt der Hund begraben.

Sich arm sparen ist „in“

Rate mal, was die beliebteste Anlageform unserer geschätzten Mitbürger ist. Richtig, das Girokonto.

Das Girokonto? Als Anlageform? Geht’s noch?!

Zuerst dachte ich, ich hätte mich verlesen. Aber da stand es, schwarz auf weiß. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab bei einer Studie an, dass sie ihr Geld am liebsten auf dem Girokonto parken. Leider wird es danach nicht besser.

An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala steht nämlich das Sparbuch.

Jap, dieses alte, rote Heftchen, mit dem deine Oma früher immer zur Bank gegangen ist.

Und anscheinend immer noch die Hälfte aller Deutschen!

Die FAZ hat neulich ausgerechnet, dass grob ein Fünftel des Geldvermögens hierzulande auf Girokonten liegt oder bar gehalten wird. Ein weiterer großer Anteil ist offensichtlich auf Sparbüchern anzutreffen.

Jeder, der weiß, was Inflation bedeutet (Preise steigen, Wert von Geld sinkt), sollte spätestens jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Denn wenn wir von einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% ausgehen, heißt das konkret für alle Girokonto- und Sparbuchliebhaber: Ihr spart euch arm!

Habt ihr schon mal gesehen, wie hoch die Sparzinsen bei den eben erwähnten Geldparkmöglichkeiten sind?

Unter 1%.

Da muss man kein Mathe-Genie sein, um zu verstehen, dass diese Rechnung einfach nicht aufgeht. Das wäre so, wie wenn deine Mannschaft sich beim Fußball damit zufrieden geben würde, ein paar gute Angriffe auf das gegnerische Tor gespielt zu haben – obwohl der Gegner bereits mit 2:0 führt. Das Spiel wirst du verlieren!

Nochmal: Wenn du dein angespartes Vermögen zum Großteil auf Girokonto oder Sparbuch geparkt hast, dann verlierst du regelmäßig Geld. Die Zahl auf deinem Kontoauszug ist vielleicht noch die selbe oder sie hat sich sogar leicht erhöht, aber sie ist nicht mehr so viel wert, wie noch vor einem Monat.

Zinsrate Sparbuch
Sparbuch vs. Inflationsrate

Das Problem?

Wir vergleichen leidenschaftlich gerne Preise im Internet, um das Schnäppchen des Jahres zu finden, doch wenn es um das Thema Geldanlage geht, sind wir zu faul, um nach besseren Zinsen zu suchen.

Innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren vermehrten z.B. die Finnen ihr Geld um 6,9% pro Jahr – Inflation schon abgezogen. Die Deutschen im gleichen Zeitraum?

2,3%

Und das ist nur der Durchschnittswert. Man kann also getrost davon ausgehen, dass ein Großteil unserer Mitbürger noch wesentlich weniger Rendite erzielt hat. Da tröstet es auch nicht, dass die Österreicher ihr Geld noch schlechter angelegt hatten (1%).

Auf Dauer kann das jedenfalls nicht gut gehen. Systematisch Sparen ist gut und scheint in Deutschland einigermaßen beliebt zu sein. Das Geld einfach langfristig zu parken wäre jedoch fatal, wenn man es mit dem Moneybuilding wirklich ernst meint.

Früher oder später (lieber früher) muss der nächste Schritt erfolgen: intelligent investieren.

Eine Möglichkeit wäre da die Börse.

Wobei ich jetzt schon einige von euch schreien höre: Halt! Viel zu gefährlich! Was, wenn es einen Börsencrash gibt? Dann verliere ich doch alles!

Bevor du diese Seite vor lauter Empörung schließt, bitte ich dich wenigstens noch bis zum Ende des Artikels zu lesen. Vielleicht kann ich dir ein wenig die Augen öffnen und dir deine Ängste nehmen. Was du danach dann damit machst, bleibt natürlich ganz dir überlassen 😉

Wie funktioniert überhaupt die Börse?

Die Börse ist ein Marktplatz an dem mittlerweile alles mögliche ge- und verkauft wird. Ein nach wie vor wichtiges „Produkt“ sind die sogenannten Aktien — Anteilsscheine an einem Unternehmen. Wer eine Aktie von BMW besitzt, dem gehört gewissermaßen ein (sehr kleiner) Teil des Unternehmens.

Warum verkauft BMW kleine Anteile seines Unternehmens? Um an Kapital, sprich Geld, zu kommen. Wenn sie dadurch mehr Autos verkaufen, nehmen sie mehr ein und belohnen vielleicht sogar ihre Anleger mit einem kleinen Dankeschön – auch Dividendenausschüttung genannt.

Wenn also ein Unternehmen mit ihrem Kapital gut wirtschaftet und viel Umsatz macht, werden in der Regel mehr Leute die Aktie kaufen. Die Nachfrage steigt also, der Wert der Aktie ebenso. Die Folge: dein Vermögen wächst.

Du wirst also für deinen Glauben an den Erfolg des Unternehmens belohnt.

Jede Investition birgt natürlich auch Risiken, das liegt in der Natur der Sache. Jeder der eigene Kinder hat, versteht das. 18 Jahre lang, oft sogar noch viel länger, investiert man sehr viel in seinen Nachwuchs: Zeit, Geld, Liebe und vieles mehr.

Doch es gibt keine Garantie dafür, dass dein Sohn oder deine Tochter dadurch automatisch ein erfolgreiches und glückliches Leben führen wird. Irgendwann liegt es nicht mehr in deiner Hand…

Genauso verhält es sich natürlich auch mit den Unternehmen, in die man investiert. Wenn sie schlecht wirtschaften, von einem Abgasskandal gebeutelt werden oder das Land, in dem sie ihren Sitz haben, politisch destabilisiert wird, verkaufen viele Anleger ihre Anteile an den betroffenen Firmen.

Die Nachfrage nimmt ab, der Wert der Aktie fällt. Die Folge: dein Vermögen schrumpft.

Um dieses Risiko zu minimieren und die Schwankungen des Vermögenswerts, die eine Investition in einzelne Aktien normalerweise mit sich bringt, zu verringern, sollte man diversifizieren.

Das heißt nichts anderes, als nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Nicht sein ganzes Geld auf das eine Pferd.

Nicht seine ganzen Ersparnisse auf die Aktie von BMW.

Am besten also gleich 10 oder 20 verschiedene Aktien kaufen, so der klassische Börsentipp. Doch es gibt ein Problem…

Kosten, Kosten, Kosten

Einer der größten Fehler, den man beim Investieren machen kann, ist sich die Kosten und Gebühren seiner Investition nicht genau anzuschauen.

Viele Finanzberater versprechen eine hohe Rendite, wenn man ihnen sein Geld anvertraut, doch sie verschweigen, dass nach Abzug der Gebühren von der sagenhaften Rendite nicht mehr viel übrig bleibt.

Auch beim Aktienkauf sollte man sich die Gebühren genauestens anschauen. Für jede Börsen-Transaktion entfallen Kosten, die du zu tragen hast. Wenn du also in mehrere Unternehmen investieren möchtest, zahlst du jedes Mal wieder eine Gebühr.

Eine teure Angelegenheit, also.

Es sei denn, es gäbe eine Möglichkeit in alle Unternehmen auf einmal zu investieren…

…und somit nur einmal statt 30 mal Gebühren zu zahlen.

Klingt zu gut, um wahr zu sein?

Darf ich vorstellen? Der Indexfonds.

30 zum Preis von einem

Bei einem Indexfonds kaufst du nicht einzelne Aktien von einzelnen Unternehmen, sondern gewissermaßen gleich den ganzen Markt.

Was ist überhaupt ein Index?

Ein Index ist die Zusammenfassung der Aktien einer Region oder einer Branche. Der bekannteste deutsche Aktienindex, der DAX, spiegelt die Kursentwicklung der Aktien der 30 größten deutschen Unternehmen wieder.

Der Dow-Jones-Index macht das selbe für die 30 größten amerikanischen Unternehmen.

Ein Indexfonds wiederum bildet die Entwicklung eines solchen Index nach und ermöglicht somit jedem Anleger zwei immens wichtige Dinge zu beachten:

  1. Er hält seine Kosten gering, da er 30 Unternehmen zum Preis von einem bekommt!
  2. Er diversifiziert (streut sein Risiko), da er nicht auf ein Unternehmen, sondern gleich auf 30 setzt.

Die Vorteile liegen somit auf der Hand: geringe Kosten und geringes Risiko.

Spielstand 6 : 1

Aber der größte und entscheidendste Vorteil ist die Rendite: Im Durchschnitt erzielst du damit weit mehr als die mickrigen 1%, die du vielleicht noch auf das Tagesgeld einer rumänischen Bank, von der du noch nie im Leben gehört hast, bekommen würdest.

Ich habe im Herbst 2015 angefangen in Indexfonds zu investieren und stehe momentan bei 12% Rendite seit Beginn (Stand April 2017). Auf ein Jahr umgelegt sind das mehr als 6% Zinszuwachs.

Depotwert
Rendite meines comdirect Depots (Stand April 2017)

Zur Erinnerung – beim Tagesgeldkonto sieht’s momentan so aus:

Zinsen beim Tagesgeldkonto
Vergleich der Zinsentwicklung von Tagesgeldzinsen für 5.000 und 50.000 Euro sowie dem EZB-Leitzins und EONIA – aktuelle Infografik (Quelle: tagesgeldvergleich.net)

Daher ist es für mich überhaupt keine Frage, ob ich in Indexfonds investieren sollte oder nicht.

Zumal der langfristige Trend so gut wie immer nach oben geht, auch wenn es natürlich Schwankungen gibt und immer geben wird. An der Börse zu investieren ist eben nichts für Leute, die schnell reich werden wollen (obwohl sogenannte Day-Trader genau das versuchen, manche mehr, manche weniger erfolgreich).

Man braucht einen langen Atem.

Man braucht Geduld und Zeit.

Wer nächstes Jahr seine ganzen Ersparnisse braucht, ist an der Börse falsch. Wer dagegen langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an der Börse letztendlich nicht vorbei.

Und das Schöne ist: es war noch nie so einfach wie heute, einzusteigen und in Indexfonds zu investieren!

Trend des NASDAQ 100
Der langfristige Trend zeigt meist nach oben (hier der NASDAQ 100 seit 2012)

Der Sparplan

Die beste Möglichkeit an der Börse aktiv zu werden ist meiner Meinung nach über einen sogenannten Wertpapier-Sparplan. Den bieten inzwischen immer mehr Banken ihren Kunden an, ich nutze beispielsweise dafür das Depot meiner Hausbank comdirect* (welches übrigens kostenlos ist, wenn man ein Girokonto bei ihnen hat).

Damit kann man dann schon ab 25 Euro im Monat in einen ETF (Exchange Traded Fund, also ein an der Börse gehandelter Fonds) investieren. Und das zu sehr geringen Kosten. Ich investiere in keinen Fonds bei dem die Gesamtkosten mehr als 0,5% der Anlagesumme betragen.

Der entscheidende Vorteil des Sparplans ist der sogenannte Cost-Average-Effekt.

Was bedeutet das?

Weil du im Vorhinein festgelegt hast, wie viel Geld du monatlich in den Fonds investieren willst, kaufst du mal weniger, mal mehr Anteile des Wertpapiers.

Wenn der Kurs gerade höher liegt, bekommst du für deine 25 Euro etwas weniger Anteile. Wenn der Kurs dagegen niedriger liegt, bekommst du für die 25 Euro mehr Anteile.

Mit anderen Worten:

Wenn der Fonds gerade teuer ist, kaufst du weniger Anteile, wenn er gerade billig ist, kaufst du mehr.

Dadurch gleichst du zum einen die natürlichen Schwankungen automatisch aus. Und zum anderen erzielst du eine höhere Rendite, als wenn du einen fixen Betrag auf einmal in den Indexfonds stecken würdest. Genial, oder?

Wie schon gesagt: meine Rendite liegt bei über 10% in weniger als zwei Jahren.

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass auch schlechtere Zeiten an der Börse kommen werden.

Wer allerdings in der Lage ist, für einen längeren Zeitraum von mindestens 10-15 Jahren auf das Geld zu verzichten, wird am Ende im Durchschnitt immer eine jährliche Rendite von mindestens 5% erreicht haben.

Falls nicht, ist die Welt wahrscheinlich untergegangen. Ich bin mir relativ sicher, dass dann auch keiner mehr Geld braucht 😉

Man braucht also Geduld. Reich wird man in der Regel nicht über Nacht. Ein Vermögen aufzubauen, dauert.

Fazit

Solange du dem Beispiel der meisten Deutschen folgst und dein Vermögen auf Girokonto oder Sparbuch parkst, verliert dein Geld real an Wert.

Tagesgeld oder Festgeld sind aufgrund der extrem niedrigen Verzinsung leider auch nicht mehr die Lösung.

Wenn du also eine Rendite von mindestens 5% im Jahr erzielen möchtest, dann gibt es nur wenige Alternativen zur Börse (eine davon ist z. B. auxmoney).

In einzelne Aktien zu investieren kann gut gehen, ist aber auch sehr riskant – vor allem, wenn man nicht weiß, was man tut.

Zum Glück gibt es eine Lösung: dank Indexfonds investiert man gleich in eine ganze Reihe von Unternehmen und streut so sein Risiko.

Mit einem Wertpapiersparplan (z.B. mithilfe eines comdirect Depots*) nutzt man außerdem noch den Cost-Average-Effekt und erhöht so die Rendite.

In Deutschland legt inzwischen schon jeder Siebte sein Geld in Aktien oder Fonds an. Vielleicht bist du auch bald einer davon?

Achja, die Finnen haben übrigens ein Drittel ihrer Ersparnisse an der Börse angelegt. Das waren die mit den 6,9%…

 

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